Tierwohl-Siegel: Freiwillige Verbindlichkeit?

Kurz vor Beginn der Grünen Woche in Berlin sorgt der politische Streit um ein staatliches Tierwohl-Siegel für Schlagzeilen. Die Grünen sowie diverse Verbraucherschutzverbände fordern eine verbindliche Regelung, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) setzt auf freiwillige Verbindlichkeit.

 

In einem Diskussionsbeitrag auf einem Online-Portal der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ hat der Minister am vergangenen Wochenende seine Pläne konkretisiert. Spätestens 2018 will er ein staatliches Siegel für mehr Tierwohl einführen. Offiziell vorstellen will er es auf der Grünen Woche. Das freiwillige Label soll künftig Fleisch von Tieren kennzeichnen, deren Haltungsbedingungen über den gesetzlichen Standards liegen.

 

Starten will Christian Schmidt mit dem Siegel bei Schweinen und Mastgeflügel. „Mein Ziel ist es, dass Deutschland Vorreiter beim Tierwohl wird”, erklärt der Minister auf dem Portal „Tagesspiegel Causa“. Dabei setze er auf ein „Zusammenwirken aus freiwilliger Verbindlichkeit, innovativer Forschung und – wo es notwendig ist – auf gesetzliche Regelungen“. Sofortige Verbote, etwa für das Kürzen von Hühnerschnäbeln oder das Kupieren der Ringelschwänze bei Schweinen, führten nur zu Abwanderung ins Ausland oder Import gesetzeskonformer Tiere. Für das Tierwohl sei damit nichts gewonnen.

 

foodwatch: Marketing-Gag

Unterstützung bekommt der CSU-Politiker von der Initiative Tierwohl. Diese sei „gerne bereit, ihr Know-how in die Ausarbeitung des staatlichen Labels einzubringen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Skeptischer steht der Deutsche Fleischer-Verband dem Vorhaben gegenüber. Eine entsprechende Kennzeichnung könne einen positiven Effekt für das Tierwohl haben, entscheidend für ihren Erfolg sei aber die Finanzierung.

 

Die Grünen fordern dagegen eine für alle Marktteilnehmer verpflichtende Kennzeichnung. Die Verbraucherorganisation foodwatch hält überhaupt nichts vom Vorstoß des Landwirtschaftsministers und sieht darin nur einen „Marketing-Gag“. Die Lage der Nutztiere verlange einen systematischen Ansatz, der die Tierhalter dazu zwinge, die Tiere tierschutzgerecht zu halten.

 

 

Foto: B&L-Archiv

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