Umdenken bei Kältemitteln

Auch in diesem Jahr war die Eurammon-Vortragsveranstaltung mit über 60 Teilnehmern aus zehn Ländern restlos ausgebucht. „Wir freuen uns sehr über das große Interesse“, sagt Mark Bulmer, Vorstandsmitglied von Eurammon. „Bei Herstellern und Betreibern hat ein Umdenken eingesetzt. Seit dem Inkrafttreten der neuen EU F-Gase-Verordnung gewinnen natürliche Kältemittel weiter an Bedeutung. Wir erwarten, dass sich dieser Trend auch weltweit fortsetzen wird.“ Denn – wie das diesjährige Leitthema des Symposiums „Be Smart, Go Natural“ veranschaulicht – ist die Entscheidung für den Einsatz natürlicher Kältemittel nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

 

Mit welchen neuen Regularien Anlagenbetreiber, Investoren und Planer seit Anfang 2015 konfrontiert sind, zeigte Elisabeth Munzert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf. „Insbesondere im Anlagenbau wird ein Umdenken notwendig; zukünftig müssen Planer und Anlagenbauer nicht mehr in metrischen Tonnen oder Kilogramm denken, sondern in Tonnen CO2-Äquivalent, um das Treibhauspotenzial der verwendeten Gase zu berücksichtigen“, so Munzert. Vor allem klimafreundliche Kältemittel werden folglich an Relevanz gewinnen. Die europäische Verordnung stellt dabei nur einen ersten Schritt zur weltweiten Reduzierung des Ausstoßes von F-Gasen dar. Eine Ausweitung auf internationaler Ebene wird bereits vielfach diskutiert.

 

Wie weit die Bestrebungen vorangeschritten sind, die Verwendung von F-Gasen auch durch das Montreal Protokoll zu beschränken, zeigte Lambert Kuijpers am zweiten Tag des Symposiums auf. Alleine im Jahr 2015 liegen vier neue Anträge auf entsprechende Gesetzesänderungen aus Nordamerika, der Europäischen Union, Indien sowie pazifischen Inselstaaten vor. Einen Ausblick auf weitere Regularien, insbesondere die Energieeffizienz betreffend, gab Herrmann Renz vom Eurammon-Mitgliedsunternehmen Bitzer Kühlmaschinenbau. In seinem Beitrag hob er die Bedeutung der geplanten Ecodesign-Richtlinie hervor, die derzeit auf EU-Ebene verhandelt wird.

 

Aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften unterliegt der Einsatz natürlicher Kältemittel besonderen Vorschriften – allerdings sind diese nach Angaben von Carsten Hoch vom TÜV Süd einfach umzusetzen. Die größte Herausforderung bestehe derzeit darin, qualifiziertes Personal für die Installation und Instandhaltung der Anlagen zu finden. In seinem Vortrag über Sicherheitsaspekte verglich er die Eigenschaften von F-Gasen mit denen der natürlichen Kältemittel Ammoniak, CO2 und Propan und stellte Anwendungsschwerpunkte der einzelnen Stoffe vor. Sein Fazit: „Natürliche Kältemittel werden in Zukunft eine wesentliche Rolle übernehmen – alle Beteiligten sollten sich darauf vorbereiten.“

 

Mit dem Thema „Operational Health and Security“ befassten sich die Teilnehmer des Symposiums auch in einer intensiven Gruppendiskussion, die von David Blackhurst, Director von Star Technical Solutions, moderiert wurde. Hierbei setzten sich die internationalen Fachexperten unter anderem mit den Sicherheitsbestimmungen unterschiedlicher Länder auseinander und erarbeiteten Vorschläge für eine Verbesserung der bestehenden Standards.

 

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt der Vortragsveranstaltung lag in diesem Jahr auf der Klimatisierung mit natürlichen Kältemitteln. Die Eurammon-Mitglieder Detlef Lukas von der SSP Kälteplaner AG und Karl Huber von der HKT Huber-Kälte-Technik zeigten auf, in welchen Bereichen der Klimatisierungstechnik natürliche Kältemittel bereits heute zum Einsatz kommen. Sie präsentierten aktuelle Anwendungsbeispiele am Zürcher Flughafen sowie den Stadtwerken Lübbecke.

 

Die Vorträge der Referenten stehen allen Interessierten unter www.eurammon.com zum Download zur Verfügung.

 

Foto: eurammon

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