„Unser Beruf ist nicht in Mode“

Am kommenden Wochenende, 16. und 17. April 2016, versammeln sich die Obermeister und Delegierten der bayerischen Metzgerinnungen zum 1. Bayerischen Fleischer-Fachkongress in Würzburg. Obermeister Horst Schömig ist Mitglied im Vorstand der Landesinnung und erklärt vor diesem Gipfeltreffen des Fleischerhandwerks im Interview, wo in seiner Branche der Schuh drückt.

 

Wie ist die Lage der Fleischerei-Fachgeschäfte im Innungsbereich und wie reagiert man auf steigende Informationsansprüche der Verbraucher?
Betriebe, die heute noch bestehen, haben ihren Weg gefunden, um Kunden anzusprechen, die Metzgerprodukte statt Massenware wollen.

Immer weniger handwerkliche Metzgereien schlachten selbst. Wie sieht das in Ihrer Innung aus? Woher bekommen die Kollegen ihr Fleisch und wie wird sich die Selbstschlachtung Ihrer Meinung nach entwickeln?
Wir haben nur noch drei Betriebe, die selbst schlachten. In unserer Region haben wir einen gut funktionierenden Fleischhandel, der auch hochwertige Fleischqualität liefert. Tagesgeschäft, Wurstproduktion und Verkauf fordern die Inhaber. Auch der Weg zum Einkauf beim Landwirt wird schwieriger, weil die dafür aufgewendete Zeit anderweitig besser genutzt werden kann. Wer heute keine eigene Schlachtung hat, wird auch keine mehr einrichten.

 

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt wird für das Metzgerhandwerk zunehmend schwieriger. Viele Betriebe finden keine geeigneten Lehrlinge. Welche Entwicklungen gibt es in Ihrem Innungsbereich und wie reagiert die Innung auf sinkende Bewerberzahlen?
Wir finden auch keine geeigneten Auszubildenden. Wir gehen auf Ausbildungsmessen und nehmen Auszubildende mit, die die Jugendlichen bewerben sollen. Leider ist selbst die Bereitschaft, sich zu informieren, nicht besonders groß. Unser Beruf ist nicht in Mode. Vielleicht bestehen auch falsche Vorstellungen, wie wir arbeiten.

 

Wie stellt sich die Entwicklung der Mitgliederzahlen in Ihrer Innung dar und was wird getan, um neue Kollegen zu gewinnen?
Seit dem Beginn meiner Amtszeit von 19 Jahren habe ich die Hälfte der Mitglieder verloren. Es sind nur einige Kollegen in unserem Gebiet, die nicht in der Innung sind. Bis heute hatte ich keine Chance, diese für die Innung zu gewinnen.

 

 

Foto: Fleischerverband Bayern

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