Unverständliche Angaben

Lebensmittelskandale die Angst vor Zusatzstoffen oder gentechnisch veränderten Lebensmitteln haben offensichtlich den Verbraucher nachhaltig verunsichert. SGS INSTITUT FRESENIUS hat untersuchen lassen, auf was die Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf achten, welche Bedürfnisse und Befürchtungen sie haben. Dafür wurde das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer umfassenden bevölkerungsrepräsentativen Studie beauftragt. 

Mogelpackung schädigt das Verbrauchervertrauen 

Die Verbraucher befürchten insbesondere falsche, komplizierte oder nicht ausreichende Deklaration beim Lebensmitteleinkauf. 55 Prozent haben beispielsweise Angst, dass in der Erdbeermarmelade keine Erdbeere mehr ist. Genauso groß ist die Befürchtung vor gentechnisch veränderten Zutaten. Die Angst vor der Mogelpackung zeigt sich auch daran, dass 51 Prozent der Befragten befürchten, dass die Produkte nicht so gesund sind, wie der Hersteller behauptet. 48 Prozent der Befragten beunruhigt die Unwissenheit, ob Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker die Gesundheit und genauso viele haben Angst, dass auf der Verpackung wichtige Angaben zu den Inhalten versteckt oder gar nicht angegeben sind.

„Die Verbraucher sind sensibler geworden. Nicht mehr nur die großen Lebensmittelskandale beunruhigen sie, sondern jede Art von realer oder gefühlter Irreführung. Der Verbraucher will sich bewusst für den Kauf eines Lebensmittels entscheiden und muss deshalb auf die Produktangaben vertrauen können. Wird dieses Vertrauen enttäuscht, straft er die Produkte ab.", erläutert Dr. Ulrich Ellinghaus, Leiter des Bereichs „Qualitätssiegel & Prüfzeichen" bei der SGS INSTITUT FRESENIUS GmbH. 

Jeder zweite Deutsche versteht die Angaben auf Lebensmittelverpackungen nicht
Ein Hauptgrund für die deutliche Verunsicherung der deutschen Verbraucher liegt in der Schwierigkeit Verpackungsangaben vollständig zu begreifen: 49 Prozent der Befragten finden die Angaben auf den Lebensmitteln weniger oder gar nicht verständlich. Überdurchschnittliche Verständnisprobleme haben insbesondere ältere Menschen (45-59- Jahre: 52 Prozent und 60+ Jahre: 58 Prozent) sowie Personen mit einfacher Schulbildung (60 Prozent).

Drei Viertel der Deutschen können nicht erkennen, was gesund ist
75 Prozent aller Deutschen können anhand der Verpackungsangaben nicht beurteilen, ob ein Lebensmittel gesund ist. Beispielsweise haben 67 Prozent der Befragten Probleme aus den Lebensmittelinformationen zu entnehmen, ob das Produkt auch für Allergiker oder Diabetiker tauglich ist. 58 Prozent können nicht beurteilen, ob und welche Zusatzstoffe enthalten sind, 42 Prozent wissen nicht, wie viel Fett oder Zucker die Produkte haben.
Besonders problematisch ist, dass sich 71 Prozent der Verbraucher nicht zutrauen, die richtigen Lebensmittel für Kinder auszuwählen, weil sie aus den Lebensmittelbeschreibungen nicht erkennen können, ob ein Produkt für Kinder geeignet ist. 

Herausforderung für die Lebensmittelwirtschaft: Eindeutige und leicht verständliche Produktdeklaration 

Generell findet es jeder vierte Verbraucher im Vergleich zu früher schwieriger, sich gesund zu ernähren. „Die Verbraucher genießen auf der einen Seite zwar die große Auswahl an Lebensmitteln, die ihnen die Lebensmittelwirtschaft heute bietet. Auf der anderen Seite sehnen sie sich aber auch nach Orientierung und Information", erläutert Dr. Ulrich Ellinghaus. „Daraus ergibt sich ein klarer Auftrag für die Lebensmittelhersteller. Sie müssen dem Bedürfnis nach Transparenz und Sicherheit noch besser gerecht werden. Aussagekräftige und glaubwürdige Orientierungshilfen wie Prüf- und Testsiegel werden vom Verbraucher belohnt."

Vertrauen für Prüf- und Qualitätssiegel
Die Studie belegt, dass Prüf- und Testsiegeln auf Lebensmitteln viel Vertrauen entgegengebracht wird. Neben unabhängigen Prüfinstituten genießen die Verbraucherzentralen und das persönliche Umfeld ebenfalls hohe Glaubwürdigkeit:
73 Prozent vertrauen auf Bewertungen der Stiftung Warentest
67 Prozent glauben den Aussagen von Verbraucherzentralen
55 Prozent hören auf Einschätzungen von Familie und Freunden
32 Prozent vertrauen unabhängigen Prüfsiegeln

„Die Studie bestätigt uns in unserer Arbeit. Das INSTITUT FRESENIUS Qualitätssiegel wird von den Verbrauchern zunehmend verstärkt wahrgenommen und genießt immer größeres Vertrauen. Die Zahlen belegen die generelle Bedeutung von Qualitäts- und Prüfsiegeln als einfache und wirksame Orientierungshilfe für den Verbraucher. Unser Ziel ist es, das Verbrauchervertrauen in unser Qualitätssiegel weiter zu erhöhen. Das wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden durch noch mehr Transparenz und Dialog erreichen." erklärt Dr. Ulrich Ellinghaus.

Großes Misstrauen für Industrie und Politik
Im Gegensatz zu unabhängigen Prüfinstituten haben die Verbraucher ein grundlegendes Misstrauen gegenüber den Aussagen von Industrie und Politik. Auf die Frage, wem die Verbraucher vertrauen, wenn es um zuverlässige und glaubwürdige Informationen zu Lebensmitteln geht, gab es für beide durchweg schlechte Noten:
5 Prozent vertrauen Politikern wie Verbraucherschutz- oder Gesundheitspolitikern

8 Prozent verlassen sich auf Werbeprospekte aus den Supermärkten

9 Prozent glauben den Lebensmittelherstellern


Neben den Wünschen an die Lebensmittelwirtschaft fordern die Verbraucher auch verstärkte Kontrollen von der Politik: 38 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Lebensmittelkontrollen in Deutschland nicht ausreichen.

Kaufkriterien der Deutschen: Lieber regional statt Bio
In Bezug auf die Kriterien, nach denen Verbraucher Lebensmittel auswählen, zeigt die Studie: Die Ansprüche sind hoch. Lebensmittel sollen möglichst frisch (86 Prozent) und qualitativ hochwertig (60 Prozent), gleichzeitig aber günstig (57 Prozent) sein. Darüber hinaus belegt die Studie jetzt ein weiteres wichtiges Kaufkriterium: Regionalität. 47 Prozent achten beim Einkauf auf Produkte aus der Region. Bio- oder Ökoprodukte haben mit 23 Prozent deutlich weniger Priorität. Der Gesundheitsaspekt ist dennoch wichtig: 43 Prozent der Verbraucher möchten gentechnikfreie Lebensmittel, 40 Prozent achten auf Lebensmittel, die wenig Fett enthalten.

Frauen sind die kritischsten Kunden
Frau und Mann kaufen unterschiedlich ein. Das gilt auch im Supermarkt. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass Frauen kritischer sind, wenn es um Lebensmittel geht: Mit 63 Prozent spielt Qualität eine wichtigere Rolle als der Preis (54 Prozent). Bei Männern verhält es sich genau umgekehrt: 60 Prozent geben an, auf einen besonders günstigen Preis zu achten, Qualität kommt mit 57 Prozent dahinter.
Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es beim Thema Gesundheit. Frauen und Männer antworteten wie folgt auf die Frage, worauf beim Einkaufen besonders geachtet wird:

 Frauen  Männer
auf geprüfte oder getestete Produkte 52 Prozent  40 Prozent
auf gentechnisch unveränderte Lebensmittel  49 Prozent    38 Prozent
auf fettarme Lebensmittel  48 Prozent    31 Prozent
auf möglichst keine Zusatzstoffe  47 Prozent    30 Prozent
auf wenig Zucker  44 Prozent    27 Prozent
auf Nährwert-, bzw. Kalorienangabe  35 Prozent    23 Prozent


„Insbesondere für die Lebensmittelwirtschaft sind Frauen die wichtigste, aber auch kritischste Zielgruppe. Beispielsweise achten 49 Prozent der Mütter von Kindern unter zehn Jahren beim Lebensmitteleinkauf auf Qualitätssiegel. Für die Lebensmittelwirtschaft bedeutet das, gerade bei Produkten für die Familie Sicherheit und Qualität zu vermitteln", erläutert Dr. Ulrich Ellinghaus.

Unterschiedliches Einkaufsverhalten zwischen Ost und West
20 Jahre nach der deutschen Einheit gibt es noch immer Unterschiede im Einkaufsverhalten zwischen den alten und neuen Bundesländern. Im Osten sind Lebensmittel aus der eigenen Region überdurchschnittlich attraktiv. 59 Prozent der Ostdeutschen achten beim Lebensmittelkauf darauf, dass die Produkte aus der unmittelbaren Umgebung kommen. Nur für 44 Prozent der Westdeutschen spielt Regionalität dagegen eine Rolle.

Verbraucher in den neuen Bundesländern sind außerdem preisbewusster als ihre Nachbarn aus dem Westen: 68 Prozent geben an vor allem auf den Preis zu achten, während es im Westen 54 Prozent sind.

Informationen zur Untersuchungsmethode
Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Auftrag der SGS INSTITUT FRESENIUS GmbH im Mai 2010 eine bevölkerungsrepräsentative Mehrthemenumfrage durchgeführt. Insgesamt wurden 1.827 Personen ab 16 Jahren befragt. Die Interviews erfolgten mündlichpersönlich (Face-to-face) nach einem einheitlichen Frageformular durch geschulte Interviewer des Instituts für Demoskopie Allensbach.
Zur Studie „SGS INSTITUT FRESENIUS Verbraucherstudie 2010: Lebensmittelqualität & Verbrauchervertrauen" Die SGS INSTITUT FRESENIUS Verbraucherstudie ist ein jährliches Verbraucherbarometer für die Zufriedenheit der Deutschen beim Lebensmitteleinkauf. Schwerpunkte der diesjährigen Studie sind Qualitätsbewusstsein und -wahrnehmung bei Lebensmitteln. Insbesondere geht es um Orientierung beim Einkaufen und der Glaubwürdigkeit von Produktinformationen.

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