Verpackung: Kommunikation gewünscht

Um den hohen Standard der Lebensmittelsicherheit zu halten, fordern Handel und Konsumgüterindustrie mehr Transparenz und eine deutlich verbesserte Kommunikation mit den Verpackungsherstellern, so ein Ergebnis der aktuell erstellten EHI/GS1-Studie zu Verpackung und Produktschutz.

Ein Großteil der Händler bewertet die Kommunikation entlang der Lieferkette in Bezug auf die Lebensmitteltauglichkeit von Verpackungen sehr kritisch. Insbesondere die gesetzlich festgelegten Konformitätserklärungen, die die Händler erhalten, entsprächen nur zu 50 Prozent den Anforderungen. Häufigste Probleme aus Sicht der Händler sind, dass Testbedingungen und Stoffe nicht genannt werden, Angaben zur Konformitätsarbeit und angemessene Informationen zu Substanzen fehlen, Konformitätserklärungen gar nicht bzw. erst auf Anfrage abgegeben werden.

Hilka Bergmann, Leiterin Forschungsbereich Verpackung beim EHI hat dazu Thomas Maiwald, Qualitätsmanager Ware, Abteilungsleiter Verpackung bei real,- befragt:

Bergmann: Welche Probleme sehen Sie bei der Kommunikation in Bezug auf die Lebensmitteltauglichkeit von Verpackungen?

Maiwald: Nach wie vor ist ein Hauptproblem, dass das Gesamtsystem der Verpackung dem einzelnen Verpackungshersteller oder dem Hersteller von Komponenten oft nicht bekannt ist.
Einfaches Beispiel: Oft weiß ein Hersteller eines Folienbeutels nicht, ob evtl. noch ein Etikett auf die Verpackung geklebt wird. Der Etikettenhersteller wiederum hat keine Kenntnisse darüber, aus welchem Material, welchen Schichten und Schichtdicken der Beutel besteht. So kann es schnell passieren, dass ein Klebeetikett einen migrierenden Stoff abgibt, der letztendlich Grenzwert überschreitend im Lebensmittel landet. Wäre der Beutel aus einem anderen Material gewesen oder hätte er eine entsprechende Barriere gehabt, hätte es keine Probleme gegeben. Bei entsprechender Kenntnis über den Beutel hätte der Etikettenhersteller ein anderes Produkt empfehlen können.

Ein weiteres Manko ist die Kommunikationsschnittstelle zwischen zwei Unternehmen. Die Partner müssen ihr Pendant kennen, aber auch interne Kommunikationsabläufe müssen überprüft werden. Ein Einkäufer muss klare Vorgaben erhalten, am besten in Form einer Einkaufsspezifikation – auch wenn das bei großen, komplex strukturierten Unternehmen mit vielen Standorten aufwändig ist.

Bergmann: Welche Probleme treten speziell in Bezug auf die Konformitätserklärungen auf?

Maiwald: Die Probleme, die bezüglich der Konformitätserklärung auftreten, sind mir inzwischen unerklärlich. Es gibt eine ganz klare rechtliche Anforderung, sogar die Form und den Inhalt gibt der Gesetzgeber recht detailliert vor und das schon seit mehreren Jahren. Aber selbst bei der Einhaltung der Form gibt es Probleme – und das, obwohl die Verbände und diversen Institute gute Tipps und Hilfestellung auch in Form von Vorlagen geben, wie eine korrekte Konformitätserklärung auszusehen hat.

Ein weiteres Problem ist, dass die Informationen aus der chemischen Industrie über die eingesetzten Stoffe oder Mixturen oft nicht fließen oder nur spärlich. Es bestehen Geheimhaltungserklärungen oder Laboratorien sind als Dritte zwischengeschaltet. Das kostet viel Zeit und viel Geld und hilft in der Praxis oft nicht wirklich weiter. Wer weiß schon, ob "Additiv 1" aus dem "Laborbericht A" gleich "Stoff 1" aus "Laborbericht B" ist?

Bergmann: Welches sind Ihrer Meinung nach mögliche Ursachen für diese Probleme und wie kann man sie lösen?

Maiwald: Das ist schwer zu sagen, da ich sowohl viele negative als inzwischen auch viele positive Beispiele kenne. Manchmal ist es Bequemlichkeit, manchmal vielleicht Unwissenheit über die Bedürfnisse der nachgelagerten Stufe in Bezug auf die zu leistende "Konformitätsarbeit". Oft aber ist es die "Geheimniskrämerei", die effektives Arbeiten erschwert.
Ich vergleiche das immer mit einem Kuchenteig, die Zutaten sind meist dieselben, erst Mengen, Verarbeitung und Zubereitung bringen die Unterschiede. Aber man merkt inzwischen, dass es eine Weiterentwicklung gibt und langsam trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer zukünftig die Anforderungen nicht mehr erfüllen kann, wird letztendlich vom Markt überholt werden.

Mehr Offenheit bei der Kommunikation und generell mehr Gespräche zwischen den einzelnen Partnern sind wünschenswert. Andere Industriezweige sind da inzwischen weiter, wenn ich an die Pharmaindustrie oder die Automobilindustrie denke. Hier haben sich Sicherheitsstandards und Kommunikationskanäle entwickelt, die trotz aller Geheimhaltungserfordernisse funktionieren. Die Lebensmittelbranche ist auf dem Weg sich dahin zu entwickeln, wie es die Opens external link in new windowGFSI Initiative zeigt. Die Verpackungsbranche hat sich dem teilweise schon angeschlossen und sollte das weiter forcieren.

Meist gelesene Artikel

News
Know-how in Sachen Chicken Nuggets gebündelt
News
Alt-Proteins: Wege in den Massenmarkt
News
Das große Ganze im Blick
News
Wiesbauer lässt es „polstern“
News
Der erste direkte Kontakt

Das könnte Sie auch interessieren:

Anuga FoodTec 2027 Automatisierung

Maschinenbauer werden zu Datenpartnern

Smarte Technologien auf dem Kölner Messegelände: Wie Anlagenkonzepte und Hersteller-Rollen auf der Anuga FoodTec neu gedacht werden....

Kartenzahlung in der Metzgerei Pauleser

Schnell, einfach, wirtschaftlich: Die Metzgerei Pauleser aus Kasing zeigt, wie ein Anbieterwechsel Kosten senken, Abläufe vereinfachen und die Zufriedenheit der...
AVO Pop-up-Store Belm

Der erste direkte Kontakt

Gewürzspezialist AVO setzt mit Pop-up-Store in Belm auf Markenkommunikation und direkten Kundendialog....
Wiesbauer Toni Polster

Wiesbauer lässt es „polstern“

Toni Polster, österreichische Stürmer-Legende, ist das prominente Gesicht einer neuen Werbekampagne der Wurstmarke Wiesbauer....

Das große Ganze im Blick

Ende April wählte die Metzgerinnung Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen ein neues junges Führungsduo: Carolin Pfleger als eine von zwei Obermeisterinnen in Bayern...
New Food Conference Berlin

Alt-Proteins: Wege in den Massenmarkt

Die New Food Conference 2026 in Berlin bringt führende Köpfe aus Lebensmittelindustrie, Handel, Agrarwirtschaft, Investment und Politik zum intensiven Gedankenaustausch...