Nanomaterialien spielen derzeit unter anderem in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) eine Rolle, die verlangt, dass technisierte Nanomaterialien auf Lebensmitteletiketten deklariert werden müssen. Die bisherige Definition für Nanomaterialien, die auch im Rahmen der LMIV Anwendung findet, steht schon länger in der Kritik. Aus diesem Grund arbeitet die Europäische Kommission derzeit daran, die Definition an den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt anzupassen und sie der Empfehlung der Kommission aus dem Jahr 2011 anzupassen, erklärte Sirkku Heinimaa von der Europäischen Kommission in Köln.
Zu den aktuellen Initiativen der Europäischen Union im Bereich der Nanomaterialien gehört auch die Neuauflage der Verordnung über Novel Foods. Lebensmittel, die aus technisierten Nanomaterialien bestehen, sollen künftig als solche angesehen werden, sofern sie nicht schon in signifikantem Umfang vor dem 15. Mai 1997 konsumiert wurden. Ebenso ist geplant, Vitamine, Mineralien und andere Substanzen ebenfalls unter die Bezeichnung fallen zu lassen, wenn diese in „Nanoform“ gebracht worden sind. Voraussichtlich im Oktober soll die neue Verordnung im Europäischen Parlament zur Abstimmung kommen.
Als Vertreterin der Industrie sprach sich Beate Kettlitz (FoodDrinkEurope) auf der Fachtagung deutlich für eine klare Definition technisierter Nanomaterialien aus, da ohne sie ein adäquates Labelling von Lebensmitteln – wie durch die Lebensmittelinformationsverordnung gefordert – nicht zu bewerkstelligen sei. Die momentane Definition werfe viele Fragen auf und erfordere somit eine angemessene Hilfestellung, damit die Industrie dazu in der Lage sei, korrekte Entscheidungen in Bezug auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln treffen zu können. Die ELC (Federation of European Specialty Food Ingredients Industries) und FoodDrinkEurope hätten deshalb zu diesem Zweck einen eigenen „Entscheidungsbaum“ und einen entsprechenden Leitfaden entwickelt. Trotzdem bestehe Bedarf für einen regulatorischen Rahmen, der höchste Sicherheitsstandards über alle Industriebereiche hinweg festsetzt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich der Frage gewidmet, was die Öffentlichkeit derzeit über die Nanotechnologie denkt. Dr. Astrid Epp präsentierte auf der Konferenz die Ergebnisse diverser Untersuchungen. So lasse sich etwa feststellen, dass das Bewusstsein für Nanotechnologie gestiegen sei. Eine vom BfR 2012 durchgeführte Befragung fand aber auch heraus, dass rund 40 % der Deutschen noch nie mit dem Thema Nanotechnologie in Berührung gekommen sind. Die Deutschen hätten eine überwiegend positive Einstellung zum Thema, jedoch hänge die Akzeptanz der Nanotechnologie stark vom jeweiligen Anwendungsgebiet ab. Während die Akzeptanz für die Anwendung in Lebensmitteln in den vergangenen Jahren gesunken ist, wird ihr Einsatz zu medizinischen Zwecken befürwortet.
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