Gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband unterstützt der Deutsche Fleischer-Verband einen Antrag zu Änderung der Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse. Zwischenzeitlich unterstützen auch andere Marktbeteiligte den Antrag. Ziel der Initiative ist es, dass für vegetarische/vegane Produkte nicht die Verkehrsbezeichnungen verwendet werden dürfen, die für traditionelle Fleischerzeugnisse üblich sind. Zudem fordern die Koalitionsfraktionen von Union und SPD mehr Klarheit für die Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Lebensmitteln. Nach Auffassung der Koalition hätten die Verbraucher auch bei „Soja-Rinderschnitzel“ oder „vegetarischer Fleischsalat“ ein Anrecht auf Klarheit und Wahrheit. Auch die niedersächsische CDU-Fraktion forderte in einem Entschließungsantrag, dass Wurst, Schnitzel oder Salami auch nur aus Fleisch hergestellt sein darf.
DFV-Vizepräsident Konrad Ammon begrüßt diese Vorstöße: „Wer auf eine Verpackung draufschreibt, was nicht drin ist, macht sich der Verbrauchertäuschung verdächtig. Wir freuen uns, dass viele andere dies inzwischen auch so sehen“. Dennoch vermutet Ammon, dass bei Fleischersatzprodukten mit zweierlei Maß gemessen wird. „Eigentlich müsste es einen Aufschrei geben, wie damals beim Analogkäse-Skandal. Aber einige, die damals besonders nachdrücklich nach Wahrheit und Klarheit strebten, halten sich jetzt ziemlich bedeckt.“
Nach Ansicht des Vegetarierbundes würden Verbraucher durch fleischlose Schnitzel und Frikadellen nicht getäuscht. Vielmehr brächten die Bezeichnungen „Schnitzel“, „Würstchen“ und „Frikadellen“ für den Kunden die wesentlichen Eigenschaften des Produktes, wie Form, Aussehen, Textur, Zubereitung und Verwendung kurz und bündig auf den Punkt. DFV-Geschäftsleiter Dr. Wolfgang Lutz sieht das anders: „Der Vebu verkennt, dass Wurst, Schinken und Schnitzel nicht wegen ihrer Form und Farbe, sondern wegen der charakteristischen Inhaltsstoffe und des Geschmacks beliebt sind. Niemand kauft ein Schnitzel, nur weil es unregelmäßig geformt und flach ist und verzehrt werden kann.“
Kritisch wird auch der gesundheitliche Nutzen der Fleischersatzprodukte gesehen. So wurde etwa bei einer Untersuchung der Zeitschrift Öko-Test nur ein Produkt mit „gut“ bewertet. Knapp die Hälfte fiel „mangelhaft“ oder „ungenügend“ aus. Bemängelt wurde u.a. auch eine erhebliche Belastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen. „Fast alle Produkte müssen mit Aromen, konzentrierten glutamathaltigen Zusätzen, allerlei Verdickungsmitteln oder Farbstoffen auf ‚Wurstoptik‘ getrimmt werden. Der Griff in die Trickkiste soll dazu beitragen, Wasser und Pflanzeneiweiß in eine schnittfeste Masse zu verwandeln“, so Dr. Lutz. Aufgrund der Neuberufung der Mitglieder der Deutschen Lebensmittelbuchkommission konnte über den Antrag noch nicht beraten werden. Der DFV wird sich aber auch der nächsten Sitzung für eine eindeutige Regelung einsetzen.
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