„In 20 Jahren ohne Fleisch“

Die Rügenwalder Mühle spielt weiterhin die Veggie-Karte. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wird Christian Rauffus, Geschäftsführer und Inhaber des Wurstherstellers aus Bad Zwischenahn in Niedersachsen, mit folgender Prognose zitiert: „Ich kann mir vorstellen, dass wir in 20 Jahren ohne Fleisch arbeiten.“

 

Aktuell produziert das Unternehmen nach eigenen Angaben gut ein Fünftel seiner Würste und Schnitzel aus Fleischersatzstoffen wie Eiweiß, Milch oder Soja. Wöchentlich werden 400 t Fleisch- und 100 t Veggie-Produkte hergestellt. Dabei gibt es die vegetarischen Lebensmittel bei Rügenwalder erst seit 2015. Bis 2020, glaubt Christian Rauffus, wird dieser Anteil auf rund 40 % steigen.

 

Ab 5. Dezember 2016 kommt eine weitere Sorte aus der vegetarischen Produktlinie in die Supermarktregale: die „Vegetarische Mühlen Salami Bunter Pfeffer“. Laut Presseinfo des Unternehmens hat das neue Produkt, ausgeliefert in 80-g-Packungen, „die gleiche pikante Würze und den gleichen Biss wie der Klassiker aus Fleisch“.

 

An Bezeichnungen wie bei dem neuen Produkt stört sich der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) schon seit Längerem. Er hat zusammen mit dem Deutschen Bauernverband eine Initiative gestartet, dass für vegetarische und vegane Produkte nicht die Verkehrsbezeichnungen verwendet werden dürfen, die für traditionelle Fleischerzeugnisse üblich sind.

 

DFV-Vize: Verbrauchertäuschung

Konrad Ammon, Vizepräsident des DFV, findet deutliche Worte für Veggie-Wurst & Co.: „Wer auf eine Verpackung draufschreibt, was nicht drin ist, macht sich der Verbrauchertäuschung verdächtig. Wir freuen uns, dass viele andere dies inzwischen auch so sehen“. Dennoch vermutet Konrad Ammon, dass bei Fleischersatzprodukten mit zweierlei Maß gemessen wird. „Eigentlich müsste es einen Aufschrei geben, wie damals beim Analogkäse-Skandal. Aber einige, die damals besonders nachdrücklich nach Wahrheit und Klarheit strebten, halten sich jetzt ziemlich bedeckt.“

 

Nach Ansicht des Vegetarierbundes werden Verbraucher durch fleischlose Schnitzel und Frikadellen nicht getäuscht. Vielmehr brächten die Bezeichnungen „Schnitzel“, „Würstchen“ und „Frikadellen“ für den Kunden die wesentlichen Eigenschaften des Produktes, wie Form, Aussehen, Textur, Zubereitung und Verwendung kurz und bündig auf den Punkt.

 

Immerhin scheint die Initiative des DFV nicht wirkungslos zu verpuffen. Auch die Fraktionen von Union und SPD im Bundestag fordern mehr Klarheit für die Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Lebensmitteln. Die niedersächsische CDU-Fraktion hat in einem Entschließungsantrag sogar gefordert, dass Wurst, Schnitzel oder Salami nur aus Fleisch hergestellt werden dürfen. www.fleischerhandwerk.de, www.ruegenwalder.de

 

Foto: Rügenwalder Mühle

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