Fleischerei Gies startet durch

Dass eine Metzgerei eine wirklich hohe Summe in den Neubau einer Produktionsstätte investiert, ist in diesen Zeiten unüblich. Die Metzgerfamilie Gies aus dem osthessischen Großenlüder hat es getan – mit Leidenschaft, Mut und Überzeugung.

Foro: Marco Theimer

Der Betrieb der neuen Produktion startete Mitte März 2024, ein großes Fest mit Kunden, Partnern und Ehrengästen folgte im Juni 2025. Ende Oktober treffe ich Hans-Georg und Monika Gies und ihre Söhne Maximilian (29) und Leonard (25) – beide Fleischermeister – im Heimatlandkreis. Der Neubau mit einer Produktions- und Verarbeitungsfläche von ca.1.600 m² liegt gegenüber eines vor rund zehn Jahren eröffneten großen Rewe-Marktes, in dem auch eine der sieben Filialen der Fleischerei mit meterlanger Theke und Wandkühlschränken mit SB-Wurst zu finden ist. „Das Grundstück stand über Jahre hinweg zum Verkauf. Aus Verbundenheit zu unserem Ort und den Kunden kam ein Bau in einem Industriegebiet nicht infrage“, betont Monika Gies, gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin und Bürokauffrau, die das Familienunternehmen seit Ende der 1980er-Jahre mit ihrem Mann Hans-Georg führt. „Erste Überlegungen gab es 2016. 2018 wurde es konkreter, im Juli 2022 folgte die Grundsteinlegung“, berichtet er und lobt die Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Rund 8 Mio. Euro investierte die Familie. „6,4 Mio. Euro gaben wir für Leistungen regional ansässiger Unternehmen aus“, sagt Hans-Georg Gies und untermauert so die Verbundenheit zur Region und die Bedeutung lokaler Wirtschaftskreisläufe. Seit der Gründung der Metzgerei 1929 fand die Produktion im Stammhaus „In der Burg“ – einem über 300 Jahre alten Haus („altes Rentamt“) – in der Ortsmitte Großenlüders (ca. 3.600 Einwohner, 7 Ortsteile: ca. 8.000 Einwohner) statt. „Immer wieder um- und angebaut und verwinkelt, mehrere Ebenen und Stufen, begrenzte Lagerkapazitäten. Alles das, war nicht mehr zukunftsfähig“, erklärt er die Gründe für den Neubau.

Effizientere Arbeitsprozesse

Foro: Marco Theimer

Das Fleisch von 80 bis 100 Schweinen und vier bis fünf Rindern pro Woche wird im Neubau zerlegt und verarbeitet (Produktionsmenge: ca. 10 t). Geschlachtet werden die Tiere, die von langjährig bekannten Landwirten aus der Gemeinde und dem Landkreis kommen, im 10 km entfernten Schlachthof Fulda und einer Schlachtstätte in Neuhof. Teilstücke werden bedarfsgerecht zugekauft (Vieh- und Fleischverwertung Fulda, Schwälmer Großhändler Helwig).

Es ist Freitagvormittag. Maximilian und Leonard Gies führen mich durch ihr neues „Reich“. Sie leiten die Produktion zusammen – eine Ehrensache. Der Zugang für die zwölf Mitarbeiter, Umkleide-, Sozial- und Technikräume befinden sich im Untergeschoss. Während der Planungsphase lagen die Baupläne immer wieder aus und die Mitarbeiter konnten sich mit Ideen und Vorschlägen einbringen. „Es hat sich alles sehr gut eingespielt. Viele Arbeitsprozesse sind effizienter als zuvor, alles ist ebenerdig und im Kreislauf angeordnet“, berichtet Leonard Gies, seit 2022 Fleischermeister. Maximilian Gies absolvierte nach dem Meistertitel 2018 drei Jahre später den Betriebswirt im Handwerk. Ihre Schwester Hannah-Rebecca ist Bankkauffrau und bald Bank-Betriebswirtin.

Zurück zum Rundgang: fünf Räucher- und Kochanlagen, zwei Füller, Kutter, Wolf, ein besserer Eiserzeuger, Pökelinjektor, Zerlegetische, eine lange Kistenspülmschine, etc. Alles, was man in einem solchen Betrieb benötigt, gibt es. „Vor allem haben wir nun ausreichend Kühlräume, z.B. für Rind- und Schweinefleisch, die Chargierung von Wagen, zum Pökeln und die fertige Wurst“, betont Maximilian Gies. Wir gehen in den Schnellkühlraum, auch Idee der beiden, die umgesetzt wurde. Hier werden die Produkte, die aus der Kochkammer kommen bei 0-2°C zügig heruntergekühlt damit sie dann für das Verpacken die richtige Temperatur haben. „Auch ein neues Herzstück ist der Reiferaum. Die exakt gesteuerte Luftumwälzung sorgt bei Reifen von Wurst und Schinken für eine gleichmäßige Klimatisierung“, erklärt Leonard Gies. Das erleben wir live, als ein kühler Luftstrom gerade einige Meter weiter „wandert“.

Acht Filialen

Foro: Marco Theimer

Die Fleischerei Gies hat acht Filialen, von denen viele von Kollegen übernommen wurden, die keinen Nachfolger fanden. „Alle diese Kollegen kamen auf uns zu“, sagt Monika Gies. Beliebt sind Fleischsalat, dessen Herstellung auch noch zentralisiert werden soll, Hausmacher Schwartemagen in vielen Varianten, Bauen-, Blut- und Leberwurst, die wöchentlich 400 bis 800 von den Großeltern mütterlicherseits gerollten Rouladen (Vollkonserven) sowie die täglich wechselnden Mittagsgerichte in den Filialen. Diese befinden sich neben zweien in Großenlüder in Fulda-Horas, Fulda-Neuenberg, Fulda-Nähe Klinikum, Künzell-Bachrain, Schlitz und Bad Salzschlirf. „Sie bestellen bis 13 Uhr und werden ab 7 Uhr mit Hilfe dreier Kühlsprinter beliefert“, so Hans-Georg Gies.

Viele Mitarbeiterinnen und Filialleiterinnen wurden selbst ausgebildet. Seit kurzem gibt es eine Fachkraft, die sich um die Filialbetreuung und Produktentwicklung kümmert. Auch bezüglich Nachhaltigkeit ist der Neubau gut aufgestellt: PV-Anlagen auf dem Dach, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen, Propangastank und Glykol-Wasser-Kühlung, ein Batteriespeicher ist geplant. „Nun darf alles in Ruhe mit Verstand wachsen. Die Verwaltung zieht in den Neubau ein, mittelfristig die Küche aus dem Stammhaus“, so Hans-Georg Gies. Und die zwei Söhne werden ihre Spuren hinterlassen – wie ihre Eltern, die Großeltern Rudi und Lydia und Urgroßvater Karl Gies. Marco Theimer
www.fleischerei-gies.de

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Konzept
FLEISCHEREI GIES – GROSSENLÜDER
1929 gegründete, nun in dritter Generation geführter Familienbetrieb im westlichen Landkreis Fulda mit Hauptgeschäft und sieben Filialen. Geschäftsbereiche: Fleischerei (Filialen: 60-70 Umsatzanteil), Imbiss, Großhandel (Bäckerei-Filialist, Gastronomie, Altenheime/Klinik), Grillfleisch und Partyservice & Catering. Schwerpunkt: Wurstspezialitäten, 95 % selbst hergestellt. Etwa 90 Beschäftigte, 3 Auszubildende. Regionaler Fleischbezug.

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Erfolgsfaktoren
– Zuverlässigkeit, Sozialverantwortung und Risikobereitschaft
– Viele selbst ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
– Familienfreundliche, persönliche, soziale Mitarbeiterführung
– Fairer Ansprechpartner für Kunden, Mitarbeiter und Partner sein
– Produktqualität und Frische aufrechterhalten
– Hohe Einsatzbereitschaft

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Profi-Partner
– Aufschnittmaschinen: Bizerba
– Autoklav: Korimat (2, manuell und halbautomatisch)
– Fachhändler: Rudolf Fehrmann (Fulda)
– Füller: Handtmann
– Gewürze: Hagesüd, Moguntia, Raps
– Innenausbau (Produktion: fugenlose Paneelen): Wirth Group/FoodTec Buildings
– Kombidämpfer: Rational
– Kutter (Vakuumkutter): K+G Wetter
– Ladenbau: Aichinger
– Pökelinjektor: Günther Maschinenbau
– Räucher- und Kochtechnik: Reich Thermoprozesstechnik
– Spültechnik: Kitzinger Maschinenbau
– Vakuumtechnik: Variovac
– Wolf: K+G Wetter

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