Im Münchner „Zunfthaus“ wurden 88 Auszubildende aus den Berufen Metzger/in und Fleischerei-Fachverkauf von ihren Lehrlingspflichten freigesprochen. Sie absolvierten ihre Ausbildung in Metzgereien der Innungen München, Landsberg am Lech und Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Stuhlreihen waren erneut voll besetzt, der Mittelgang musste nicht nur aus brandschutzrechtlichen Vorgaben freibleiben.
Interessanter Vergleich

Denn: Münchens Obermeister Andreas Gaßner radelte diesen zu den Klängen von „Ja, mir san mim Radl da“ entlang und stoppte am Pult von der Bühne. „Dieses Radl hat eine Geschichte, fehlt ein Teil funktioniert es nicht. So ist es auch mit Euch und unserem Handwerk“, begann er einen interessanten Vergleich – Fahrrad und Handwerk. „Ihr habt gezeigt, dass ihr etwas könnt, habt vielleicht auch mal Fehler gemacht, aber ihr seid drangeblieben. Den ersten Anstieg habt ihr geschafft“, fuhr er fort. Wie dieses Fahrrad habe das Handwerk zwei Räder: Erfahrung und Nachwuchs. „Ihr führt unser Handwerk in die Zukunft. Eine Maschine kann keine Verantwortung übernehmen, deshalb braucht es Euch“, betonte er. Wie eine Fahrradkette seien sie die Verbindung, den Lenker verglich er mit der Ausbildung, die Türen öffnet. Zu den Bremsen: „Nicht immer die Schnellsten sein, auch mal innehalten und nachdenken, etwas optimieren und aus Fehlern lernen. Alles das gehört dazu.“ Als Gast war der Präsident des Bayerischen Handwerkstages und der Handwerkskammer München-Oberbayern, Franz Xaver Peteranderl, anwesend: „Sie haben den Grundstein für ihre berufliche Zukunft gelegt. Sie beweisen im mit ihrem Können, dass Esskultur bewahrt wird. Die großen Aufgaben der Zukunft sind ohne das Handwerk nicht zu leisten. Es gewinnt wieder an Bedeutung und Wertschätzung, auch die Ausbildungen nehmen zu. Geben auch Sie ihr erlerntes Wissen weiter.“
Die Besten geehrt

Danach übergaben Andreas Gaßner und Lehrlingswart Hubert Gerstacker die Gesellenbriefe und Urkunden: 88 neue Fachkräfte, 29 Metzger/-innen und 59 aus dem Fleischerei-Fachverkauf. Als Prüfungsbeste in der Praxis geehrt wurden die Metzger Fabian Freudenthaler (Klostermetzgerei St. Ottilien), Kammersieger Johannes Theurer (Metzgerei Moser, Landsberg am Lech) und die Fachverkäuferin Verena Gerg (Feinkost Metzgerei Weber, Lenggries). Kammersiegerin im Fachverkauf wurde Stefanie Stockinger (Metzgerei Angermann, Aschau). Sie erhielten einen Geldbetrag und einen Sachpreis der Münchner Verein Versicherung. Ausgezeichnet wurden zudem Thi Linh Chi Tien (Vinzenzmurr, Fachverkäuferin), Magdalena Weingand (Metzgerei Lederer, Fachverkäuferin) und Franziska Meyr (Oxenhof, Metzgerin). Eine Besonderheit war, dass elf Fleischerei-Fachverkäuferinnen aus Vietnam, die über das Projekt des Personalvermittlers/Sprachschule V-United International aus Regensburg, nach Deutschland kamen, ihre Ausbildung in der Metzgerei Boneberger (Schongau) erfolgreich absolvierten und dort nun als Fachkräfte arbeiten. Marco Theimer

Die Prüfungsbesten (im Bild ganz oben v.li.): Obermeister Andreas Gaßner, Vertreter St. Ottilien, Karl Weber, Fabian Freudenthaler (Klostermetzgerei St. Ottilien, Metzger), Thi Linh Chi Tien (Vinzenzmurr, Fachverkäuferin), Verena Gerg (Feinkost Metzgerei Weber, Fachverkäuferin), Magdalena Weingand (Metzgerei Lederer, Fachverkäuferin), Franziska Meyr (Oxenhof, Metzgerin), Johannes Theurer (Metzgerei Moser, Metzger), Hubert Gerstacker (Lehrlingswart) und Markus Brandl (Vinzenzmurr).