Die Anuga Meat ist mit rd. 800 Anbietern aus etwa 50 Ländern nach der Anuga FineFood die größte Fachmesse unter dem Dach der kommenden Anuga vom 8. bis 12. Oktober 2011 in Köln. Die Anuga Meat zeigt die Untersegmente Fleisch, Wurst, Wild und Geflügel und präsentiert sich national wie international top besetzt. Mit Teilnehmern wie z. B. Abraham Schinken, Beretta, Brasil Foods, Campofrio, Citterio, Danish Crown, Ferrarini, Gausepohl, Houdek, JBS, L.D.C., Mafrig, Plukon Food Group, Reinert, Smithfield Foods, Tönnies, Tyson Foods, Van Drie, Vestey Foods, Vion, Westfleisch, Wiesenhof und Wiltmann bietet die Anuga Meat Einkäufern aus dem Handel ebenso wie Einkäufern aus dem Außer-Haus-Markt eine hervorragende Informations- und Orderplattform. Mit diesem Ergebnis toppt die Anuga Meat in diesem Jahr sogar noch einmal die gute mAusgangslage von 2009. Die Anuga Meat belegt die Hallen 5, 6 und 9 und damit eine Bruttoausstellungsfläche von rd. 50.000 m².
Erstmals findet darüber hinaus mit „Meat Essentials – der Abend für die Fleischwirtschaft” ein Event für die Branche und mit der Branche statt. Am Sonntag, 9. Oktober 2011, treffen sich um 18.00 Uhr im Rheinsaal der Koelnmesse Unternehmer und Geschäftsführer zum brancheninternen
Austausch. Der Event bietet mit kurzen Referaten zu Themen wie z. B. Sicherheit und Transparenz Diskussionsstoff und geht anschließend zum lockeren Get-Together über. Außerdem wird im Laufe des Abends der „Lifetime Award” für herausragende Leistungen in der Fleischwirtschaft verliehen. Die Veranstaltung wird simultan Deutsch/Englisch übersetzt.
Export hat in der Fleischwirtschaft einen wichtigen Stellenwert
Deutsche Schlachtunternehmen richten ihr Augenmerk zunehmend auf ausländische Märkte. Denn der Fleischkonsum der Deutschen wächst seit Jahren nicht mehr nennenswert. Rund 60 Kilogramm Fleisch verzehrt der deutsche Verbraucher im Schnitt pro Kopf und Jahr. Der Löwenanteil entfällt dabei mit etwa zwei Dritteln auf Schweinefleisch, danach folgen mit weitem Abstand Geflügel (fast 20 Prozent) und Rindfleisch (knapp 14 Prozent). Alle übrigen Fleischarten haben nahezu keine Marktbedeutung. Wegen der fehlenden heimischen Wachstumsdynamik erregen selbst ferne Märkte wie Russland und China das Interesse der deutschen Schlachtbetriebe.
Das saftige letztjährige Außenhandelsplus von vier Prozent bei der Ausfuhr von Schweinefleisch ist besonders auf die Steigerung der Lieferungen in diese beiden Länder zurückzuführen. Allein nach Russland stieg die Ausfuhrmenge um fast 20 Prozent. Chinesische Gaumen beispielsweise lieben auch Produkte aus Zungen, Ohren und Knochen, die bei der westlichen Kundschaft keine besondere Wertschätzung erfahren. Trotz des langen Transportweges beziffert die Münsteraner Westfleisch, die im vergangenen Jahr erste Direktlieferungen in das Reich der Mitte auf den Weg brachte, den Mehrerlös pro Schwein auf etwa vier Euro. Für ein Unternehmen, das jährlich mehr als sechs Millionen Schweine schlachtet, ist dies schon ein beachtenswerter Betrag. Auch die ostwestfälische Tönnies-Gruppe hat inzwischen eine Lizenz für den Export nach China erhalten. Andererseits wächst im Osten auch neue Konkurrenz heran: So bemühen sich russische Fleischproduzenten seit Jahren um einen besseren Zugang zum EU-Binnenmarkt. Sie beklagen ein Ungleichgewicht des Außenhandels mit Fleisch, weil ihnen der Marktzugang häufig grundlos verschlossen bleibe. Einer Handvoll russischer Exporteure stünden hunderte Unternehmen aus EU-Ländern gegenüber, die tierische Erzeugnisse nach Russland liefern würden.
Während die Schlachtunternehmen im Laufe der Jahre zu immer größeren Einheiten herangewachsen sind, bestimmen bei den Fleischwarenherstellern Traditionsmarken wie Herta, Reinert oder Houdek den Auftritt in den Kühlregalen des Lebensmitteleinzelhandels. Unter der Riege der größten heimischen Fleischwarenhersteller befinden sich aber auch die Handelskonzerne Edeka und Rewe, die in ihren Fleischwerken vor allem Eigenmarken wie „Gutfleisch” (Edeka) oder „Wilhelm Brandenburg” (Rewe) produzieren.
Die traditionelle Metzgerei verliert bei deutschen Käufern von Fleisch und Wurstwaren immer mehr an Bedeutung. Nur noch jeder sechste Euro, den deutsche Konsumenten für Steaks oder Leberwurst ausgeben, findet seinen Weg in die Kassen der Fleischerfachgeschäfte. Groß im Kommen sind seit Jahren die Discounter, die ihren Marktanteil in dieser Warengruppe auf etwa ein Drittel ausbauen konnten. Und der Wettbewerb wird zusehends härter, denn nach den Untersuchungen der Konsumforscher wird der Fleischverbrauch in den nächsten Jahren nicht zunehmen. Es ist sogar eine Tatsache, dass gerade jüngere Konsumenten immer weniger Fleisch- und Wurstwaren verzehren. Gegen diesen Trend steuern viele Fleischwarenhersteller beispielsweise mit Kleinverpackungen bis 80 Gramm oder einem erweiterten Angebot an Convenience-Produkten an. Der Marken-Artikler Rügenwalder Mühle bietet seine neuen „Mühlen Würstchen” in einer innovativen, wieder verschließbaren Verpackung ohne störendes Wurstwasser an. Darüber hinaus haben Geflügel und Lightprodukte nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial, auch wenn das Wachstumstempo gegenüber den Vorjahren etwas nachgelassen hat.
Das Thema Gesundheit wird auch auf der diesjährigen Anuga Meat von großer Bedeutung sein. Denn immer mehr Verbraucher kaufen nur noch Produkte, die frei von Allergenen, Geschmacksverstärkern, Gluten und Farbstoffen sind. Auch das Thema Laktose-Intoleranz spielt bei Fleischwaren eine immer größere Rolle. Viele Wursthersteller verzichten deshalb bereits auf die Verwendung von Milchzucker in ihren Rezepten. Höchste Ansprüche an die Lebensmittelsicherheit und Produktqualität stellt beispielsweise die Zur-Mühlen-Gruppe mit Marken wie Böklunder, Redlefsen oder Könecke. In die sieben Werke der stark expandierenden Unternehmensgruppe fließt jährlich ein zweistelliger Millionenbetrag, der für die weitere Steigerung der Produktsicherheit verwendet wird. Im vergangenen Jahr eröffnete die nach eigenen Angaben Nummer eins bei SB-Wurst in Deutschland (Jahresumsatz über 800 Millionen Euro) ein Technologiezentrum im schleswig-holsteinischen Satrup. Auf dem rund 630 Quadratmeter großen Areal werden jetzt alle Qualitätsmanagement-Aktivitäten der Firmengruppe zentral gesteuert. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Fleischwarenindustrie nach wie vor besonders leistungsfähig: Mehr als ein Viertel der europäischen Produktion von Fleischerzeugnissen stammt aus Deutschland.
Bei den Schlachtbetrieben schreitet der Konzentrationsprozess unterdessen weiter voran. Allein die zehn größten deutschen Schweineschlachtbetriebe kommen auf einen Marktanteil von 75 Prozent. Von den rund 58 Millionen in Deutschland geschlachteten Schweine durchlaufen 15 Millionen die
Schlachthöfe der Unternehmensgruppe Tönnies. Damit ist das ostwestfälische Familienunternehmen nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland und
die Nummer drei in Europa. Mit einem Jahresumsatz von 4,3 Milliarden Euro ist die von Clemens Tönnies geführte Unternehmensgruppe zwar ein Schwergewicht der Branche, doch wird sie beim Umsatz von der Vion Food Group, mit Hauptsitz im niederländischen Best bei Eindhoven, noch um einiges übertroffen. Rund 8,9 Mrd. Euro setzte das aus der vormaligen Bestmeat entstandene Unternehmen im vergangenen Jahr um. Nacheinander schluckte Bestmeat/Vion ab 2002 zunächst den süddeutschen Fleischvermarkter Moksel, dann die Schlachtunternehmen Nordfleisch und Südfleisch. Aber auch der Fleischriese Danish Crown ist inzwischen in Deutschland aktiv: 2010 übernahmen die Dänen das Oldenburger Unternehmen D&S Fleisch und erlösen danach insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro pro Jahr.
Steigendes Interesse am europäischen Markt zeigt ebenso der unangefochtene Branchenriese JBS. Der größte Rindfleischvermarkter der Welt mit Sitz in Sao Paulo, der auch auf der diesjährigen Anuga Meat vertreten sein wird, setzte zuletzt umgerechnet 23,8 Mrd. Euro um. Die brasilianische
Unternehmensgruppe hat unterdessen ihre Beteiligung am italienischen Schinkenspezialisten Rigamonti Salumificio von 70 auf 100 Prozent aufgestockt. Für weitere Schlagzeilen sorgten jüngst die Konzernlenker, die Brüder Joesley und Wesley Batista, mit ihren Plänen, den US-Konsumgüterkonzern Sara Lee mit den US-Fleischwarenmarken Hillshire Farm, State Fair und Jimmy Dean übernehmen zu wollen.
Die Anuga findet von Samstag, 8. bis Mittwoch, 12. Oktober 2011, statt und ist ausschließlich für Fachbesucher geöffnet. Mehr Information zur Anuga: www.anuga.de