Die Initiative Tierwohl bedauert die Entscheidung des Deutschen Tierschutzbundes, nicht mehr als Mitglied des Beraterausschusses an der Weiterentwicklung der Initiative mitwirken zu wollen. Bereits im vergangenen Juni hat sie sich in einem Entwurf auf Eckpunkte der Initiative Tierwohl für Schwein über 2017 hinaus verständigt. Dabei wurden elementare Punkte festgehalten: die Erweiterung der Finanzausstattung um 35 Mio. auf 100 Mio. € pro Jahr, so dass noch mehr schweinehaltende Betriebe teilnehmen können, einheitlichere Vorgaben wie mehr Platz und zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial sowie die Konkretisierung von Tiergesundheits- und Tierwohlindex.
Dennoch kündigte der Tierschutzbund die Mitarbeit auf. Offensichtlich, weil ihm die jüngsten Beschlüsse der Initiative nicht weit genug gingen. Der Bund sehe „keine langfristige Perspektive für den Tierschutz“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Ausstieg. „Aus Sicht des Verbandes setzt die Initiative Tierwohl auf Quantität statt Qualität.“ Zudem bleibe auf absehbare Zeit die Transparenz für den Verbraucher auf der Strecke, bemängelt der Deutsche Tierschutzbund. „Unsere Hoffnung, durch die Mitarbeit etwas zu verändern, hat sich nicht erfüllt“, erklärt Thomas Schröder (Bild o.), Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
„Vorstellungen sehr ernst genommen“
„Wir haben die Vorstellungen des Deutschen Tierschutzbundes sehr ernst genommen und sie für die weitere Ausgestaltung berücksichtigt. Mit dem aktuellen Entwurf wird es uns gelingen, ein realistisches Angebot für eine Vielzahl von Tierhaltern zu machen und zusätzlich die Möglichkeit zu schaffen, innovative Kriterienkombinationen umzusetzen“, kommentiert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Wir verdeutlichen damit den Willen und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Schade, dass der Deutsche Tierschutzbund diesen Weg nicht mehr gemeinsam mit uns gehen möchte.“
In den jüngsten Beratungen zur Fortentwicklung der Initiative Tierwohl wurden folgende Punkte festgehalten:
• Künftig wird der Austausch zwischen dem Beraterausschuss und den Gremien der Initiative Tierwohl weiter intensiviert.
• Die Initiative Tierwohl soll auch über 2020 hinaus unter Einbeziehung des Beraterausschusses weiterentwickelt werden. Sie sieht sich dabei als Teil einer ganzheitlichen Nutztierstrategie, die nach allen Seiten offen ist.
• Nach Angaben der Initiative Tierwohl profitieren aktuell rund 12,8 Mio. Schweine und 242,4 Mio. Hähnchen und Puten von Maßnahmen, die von ihr gefördert werden.
• Ab 2018 soll den Schweinen in der gesamten Breite der Betriebe Raufutter zur Verfügung stehen. Auch in Sachen Tageslicht in den Betrieben will die Initiative Fortschritte machen.
• Beim Thema Geflügel laufen derzeit Gespräche zur Weiterentwicklung der Initiative Tierwohl über 2017 hinaus.
Bei der Initiative Tierwohl handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Verbänden und Vereinigungen aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel, das eine tiergerechtere Fleischerzeugung auf den Weg bringen will.
Foto: Deutscher Tierschutzbund