Harscher Brief nach Berlin

Alles andere als begeistert reagiert der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) auf aktuelle Neuigkeiten aus dem Bundesumweltministerium. Dort hat „Hausherrin“ und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) angeordnet, dass Gästen des Hauses kein Fleisch (siehe Canapes im Bild li.) oder Fisch mehr serviert werden soll.

Die Ministerin begründet den Schritt mit der Vorbildfunktion ihres Hauses beim Kampf gegen die negativen Auswirkungen des Fleischkonsums. Eine Haltung, die dem DFV naturgemäß sauer aufstößt. Aus der Verbandszentrale in Frankfurt am Main ging deshalb folgender Brief an die Bundesumweltministerin in Berlin, unterzeichnet von DFV-Präsident Herbert Dohrmann und DFV-Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs:

 

„Sehr geehrte Frau Dr. Hendricks,

 

mehr als 95 % der Menschen in Deutschland essen Fleisch. Daran werden bis auf weiteres auch weder ein grüner Veggie-Day noch eine ministerielle Anordnung auf Fleischverzicht etwas ändern. Das ist auch gut so, denn Fleisch ist ein wichtiger, im Grunde unverzichtbarer Bestandteil unserer Ernährung.

 

Nun kann man trefflich darüber streiten, wieviel Fleischkonsum dem Menschen und der Umwelt gut tun. Uns scheint, da wird vieles schon als Tatsache gewertet, was bislang allenfalls eine Wissenschaftler-Meinung unter vielen ist. Aber der Diskurs darüber ist richtig und notwendig, unbestritten.“

 

Fatale Botschaft

„Unabhängig davon ist es Ihnen selbstverständlich unbenommen, Ihren Gästen im Ministerium vegetarische Gerichte oder Snacks anzubieten. Wer wollte etwas dagegen haben. Wir denken zwar, dass sich auch Fleischprodukte hervorragend eignen, aber das sei jedem Gastgeber selbst überlassen. So weit, so gut.

 

Was allerdings fatal ist, ist die Botschaft, die Sie mit Ihrer Anordnung verbinden. Man konnte lesen, es gehe Ihnen um den ’Kampf’ gegen die ’negativen Folgen’ des Fleischkonsums. Es bleibt offen, welche Folgen das sein sollen. Es wird auch nichts darüber gesagt, welche Alternativen es gibt und welche Folgen diese hätten. Es geht nämlich offensichtlich nicht um die Bewirtung Ihrer Gäste, sondern allein um die undifferenzierte Diffamierung eines Lebensmittels.“

 

Knüppel zwischen die Beine

„Es sind genau diese pauschalen Aussagen, die immer wieder denjenigen Knüppel zwischen die Beine werfen, die sich um Klasse statt Masse bemühen. Es wird kurzerhand ausgeblendet, dass es eine Vielzahl von Unternehmen gibt, die mit großer Verantwortung daran arbeiten, dass Lebensmittel mit hoher Qualität erzeugt und verarbeitet werden, und dabei die berechtigten Anforderungen hinsichtlich des Verbraucherschutzes, des Tierschutzes und des Erhalts der Schöpfung Berücksichtigung finden.

 

Mit der platten Aussage „Fleisch = schlecht“ scheren Sie alles über einen Kamm und versuchen dem Verbraucher deutlich zu machen, dass es ganz egal ist, welches Fleisch man kauft, denn nur wer ganz verzichtet, ist ein Vorbild. Die Folge ist das Gegenteil dessen, was wir Ihnen als gute Absicht gern unterstellen.“

 

Einladung an die Ministerin

„Wir legen Wert auf die Feststellung, dass es nach wie vor so ist: Die Unternehmen des Fleischerhandwerks sorgen sich um nachhaltige Produktion, bei der Tiere anständig gehalten werden, bei der Ressourcen geschont und die Verbraucher mit wertvollen und gesunden Lebensmitteln versorgt werden. Wir laden Sie herzlich ein, mit uns gemeinsam handwerkliche Fleischereien zu besuchen und sich ein eigenes Bild davon zu machen, für welche Werte wir stehen.

 

Übrigens: Es gibt auch nach wie vor Kunden, die unser Angebot gerne annehmen und bereit sind, dafür auch etwas mehr zu bezahlen als für industrielle Massenware aus der Selbstbedienungsschütte des Handels. Die kennen und schätzen nämlich den Unterschied. Es wäre schön, wenn auch das Bundesministerium für Umwelt bald wieder zu diesen Kunden gehören würde.“

 

 

Foto: Colourbox.de

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