Mit Schwung ins regionale Netzwerk


Mit dem Thema „Lebensmittel: Regionale Produktion für internationale Maerkte“ setzten die BfEL, Standort Kulmbach und die Universitaet Bayreuth die nun schon mehrjaehrige Tradition der Bayreuth-Kulmbacher Fachgespraeche fort, die sie gemeinsam zu Fragen der Ernaehrung veranstalten. "Diese Tagungsserie", so der kommissarische Leiter der BfEL Ministerialdirigent Fritz Johannes, "zeigt eine erfolgreiche Einbindung unseres Kulmbacher Standorts in die Region." Und der Vizepraesident der Universitaet Bayreuth, Prof. Dr. Franz Bosbach bekraeftigte in seinem Grußwort: "Die Universitaet und die BfEL gehen gemeinsame Wege und zeigen Flagge in wichtigen Fachbereichen." Mikrobiologie, Biochemie und vor allem das Lebensmittelrecht seien Bindeglieder mit wissenschaftlichem Gewicht.
Zuvor hatte Hans Albert Ruckdeschel, geschaeftsfuehrender Gesellschafter der Fa. IREKS, bei der Begruessung der Gaeste betont, dass die Themenwahl der Tagung nur ein Anfang sein koenne: "Die Wirtschaft wird nicht durch Theorien bewegt, wir muessen uns nach Fakten richten, die das europaeische Umfeld setzt … und da druecken noch viele Schuhe." Der erste Referent blieb trotz-dem zunaechst bewusst abstrakt; Dr. Michael Luedke vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten erlaeuterte die Grundzuege der Clusterpolitik des Freistaats: "Cluster sind kreative Netzwerke aus Wirtschaft und Wissenschaft. Der Raum Kulmbach-Bayreuth hat fuer solche Verknuepfungen ideale Voraussetzungen." Mit Hilfe der Wissenschaft muesse aber die Initiative für die stufenuebergreifende Arbeit aus der Wirtschaft selbst kommen. Das setze gemeinsames Handeln in der Region voraus. Der Bayreuther Wirtschaftsgeograph Prof. Dr. Joerg Maier unterstuetzte dies in seinem Vortrag zu Strategien der Regionalentwicklung und deren Anwendung auf die Lebensmittelwirtschaft durch konkrete Fallbeispiele. Sein Fazit: "Im regionalen Marketing ist das Zusammengehen aller Verantwortlichen der Region ein Muss." Ein Ansatz also, der auch die Politik mit einbezieht. Ziel ist dabei, die Region schmackhaft zu machen, die Basis ist eine gemeinsame Idee, letztendliche also eine aussagekraeftige Regionalmarke mit Lokalkolorit.
Dies griff der Agraroekonom Julian Voß auf, der zum Marketing mit regionalen Herkunftsangaben sprach. Die EU-Kommission foerdert ein breites Spektrum attraktiver Regionalprodukte durch eine offizielle Anerkennung, die Mittelmeerlaender nutzen das besonders erfolgreich. In Deutschland ist aber durchaus noch Nachholbedarf. Da Geld in der Region stets fehle, muesse man zu Werbeinstrumenten für den kleinen Geldbeutel greifen, riet der Wissenschaftler der Universität Goettingen: "Erzaehlen Sie den Verbrauchern eine Story aus der Region, die das Herzen erreicht." Dadurch erhalten regionale Lebensmittel Renommee und Farbe. Viele Orte, so etwa Gaststaetten, Schulen und Museen, sind geeignet, eine solche Geschichte publik und bewusst zu machen. Regional erzeugte Lebensmittel haben aber auch Probleme, die nicht zuletzt im neuen Hygienerecht der EU liegen, das seit diesem Jahr gueltig ist. "Die Verordnungen sind leicht zu lesen, aber gerade deshalb schwer umzusetzen", berichtete Dr. Martin Bisping, der als leitender Veterinaer am Niedersaechsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) über aktuelle Erfahrung in diesem Bereich verfügt. Die neuen EU-Regelungen haetten die Situation der deutschen Lebensueberwachung von Grund auf veraendert, sodass nicht abzusehen sei, wohin diese Herausforderungen fuehren werden. "Da bleibt ein wichtiges Ziel vorerst unerreicht", fasste Dr. Heinz-Walter Ludwigs von der Universitaet Bayreuth zusammen, der die Diskussionen des Tages geleitet hatte. Aus dem Auditorium wurde unterstellt, dass gerade in dem "entwurzelten Rechtssystem" Ursachen beispielsweise fuer die breit oeffentlich gemachten Hygieneprobleme bei Fleisch zu suchen sein koennten.
Gleichfalls mit zunaechst skeptischem Blick auf das Rahmenthema schloss Dr. Wolfgang Branscheid, Institutsleiter an der BfEL, Kulmbach. Er stellte sich die Frage, ob angesichts der Lebensmittelkrisen die Regionalitaet wirklich ein effizienter Loesungsansatz ist, und fasste zusammen: "Wir leben vom Vergleich; nur wer etwas besser kann als andere, wird im Wettbewerb der Regionen bestehen koennen." Und vor allem daran solle man arbeiten. Zum Abschluss blieb die Feststellung: Auch Oberfranken hat mit einer starken Konzentration der Lebensmittelwirtschaft Vorzuege, die es in Clustern oder Netzwerken zu nutzen gilt.

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