Tierschutz darf etwas kosten

Laut einer repräsentative Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) würden rund zwei Drittel der Verbraucher (64 %) mehr für Fleisch zahlen. Doch sie wollen sicher sein, dass die Tierhaltung dann auch besser ist.„Tierschutz hat seinen Preis und Verbraucher sind bereit ihn zu zahlen. Doch dafür erwarten Verbraucher auch klare Verbesserungen in der Tierhaltung. Tierschutz darf kein leeres Versprechen sein“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. Der Umfrage zufolge sind Verbraucher bereit, für 500 g Schnitzel mit Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes (Einstiegsstufe) im Schnitt 4,15 Euro und somit 39 % mehr zu bezahlen als für herkömmlich erzeugtes Fleisch zum Preis von 2,99 Euro. Beim Kauf einer kleineren Menge von 250 g Schnitzel sind Verbraucher bereit, im Durchschnitt sogar 58 % mehr zu bezahlen.

 

Trotz Zahlungsbereitschaft ist die tatsächliche Nachfrage nach Produkten aus tiergerechter Haltung gering. Die Ergebnisse der Befragung weisen darauf hin, dass fehlende Information und Orientierung der Grund sind. So wissen 45 % der Befragten (45 %) nicht, woran sie Fleisch aus artgerechter Haltung erkennen können. (86 %) können ad hoc kein Label für Tierschutz nennen. Verbraucher verbinden Produkte aus tiergerechter Haltung vor allem mit Bio. Ein weithin bekanntes und im Markt verbreitetes Tierschutzlabel im Segment der konventionellen Fleischproduktion fehlt bisher. Müller: „Wir brauchen ein verbindliches nationales Tierschutzlabel, um Vertrauen zu schaffen und es Verbrauchern einfacher zu machen, Fleisch aus tiergerechter Haltung zu kaufen.“

 

Gesetzliche Standards anheben

Verbraucher sind sich bewusst, dass sie Einfluss auf den Tierschutz haben. Sie sehen aber auch Staat und Landwirte in der Verantwortung (Anteil von je 26 % an der Gesamtverantwortung). 77 % der Befragten sprechen sich für strengere Vorschriften aus. Tiere bräuchten ausreichend Platz und Möglichkeiten, sich artgerecht zu verhalten. Wichtig seien außerdem bessere Kontrollen sowie Sanktionen. „Verbraucher werden höhere Preise nur akzeptieren, wenn sie Hand in Hand mit mehr Tierschutz gehen. Verstöße müssen eingedämmt werden und endlich Konsequenzen haben“, so Klaus Müller. Staat, Handel und Landwirte versuchen schon mit vielfältigen Initiativen für bessere Haltungsbedingungen zu sorgen. Bislang laufen diese Aktivitäten unkoordiniert nebeneinander und ohne systematische Beteiligung der Zivilgesellschaft. Der vbzv schlägt vor, die Aktivitäten in einer Nationalen Nutztierstrategie unter Federführung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu bündeln. Die Bundesregierung solle sich zudem für mehr Aufklärung der Verbraucher im Bereich Tierschutz einsetzen und den Ausbau der Verbraucherbildung an Schulen finanziell unterstützen. Den Handel fordert der vzbv auf, künftig mehr auf Qualität zu setzen. Der Umfrage zufolge ist jeder dritte Verbraucher (32 %) stark qualitäts- und tierschutzorientiert und achtet wenig auf Sonderangebote. „Der Handel muss eine Qualitätsoffensive starten, statt die nächste Schnäppchenjagd zu eröffnen“, so Klaus Müller. www.vzbv.de

 

Fotos: Archiv, vzbv

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