Master Koch BZ

Vom Master zur Meisterin

Der Schritt zum Meisterbrief ist für Katharina Koch nur logisch. Derzeit feilt die Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin nach der Übernahme des Familienbetriebes im Bildungszentrum Kassel (BZ) daran – vom Master zur Meisterin.

Um 5 Uhr klingelt der Wecker im heimischen Calden. Viel Zeit bleibt ihr nicht, um in der Landfleischerei Koch nach dem Rechten zu sehen und Bestellungen zu koordinieren – inzwischen Alltag. Dann macht sie sich auf den Weg ins BZ. Dort angekommen liegt kurz nach 8 Uhr ein leichter Bärlauchduft in der modern ausgestatteten Fleischerei-Werkstatt in der Luft. Fleischermeister und Ausbilder Wilfried Reinecke tüftelte mit seinen neun Meisterschülern an ausgefallenen Gewürzmischungen für Bratwürste.

Der Ausbilder betont: „Als Fleischermeister muss man stets neue Ideen haben, mutig sein und den Kunden regelmäßig etwas Neues anbieten. Das macht den Beruf so spannend, denn er ist gleichermaßen modern aber auch traditionell geprägt.“ Seit zehn Jahren gibt er sein Wissen mit Leidenschaft an Fleischermeister und Umschüler hier weiter. Um die Mittagszeit werden Filets geschnitten und Braten mit ausgefallenen, selbst hergestellten Füllungen gerollt. Dann geht es um die Präsentation. Die Platten werden ansprechend dekoriert. Dabei kommt es aufs Detail an.

Master Koch BZ
Katharina Koch beim Auskeulen der “Rinder-Pistole”.

Katharina Koch (siehe “Fleischer-Handwerk” 3/2016) ist mit Eifer bei der Sache letzte Akzente zu setzen. „Das hat zwar nichts mit Politik in Berlin, Paris oder New York zu tun, aber ich kann mich hier absolut verwirklichen“, sagt sie zufrieden. Nach dem Studium im Ausland standen ihr alle Türen offen, doch sie entschied sich für die Heimat und den Familienbetrieb. „Irgendetwas hat mir immer gefehlt. Jetzt bin ich froh diesen Schritt gemacht zu haben. Am Ende des Tages sehe ich unmittelbar, was ich geschafft habe“, sagt sie. Auch das Auskeulen der „Rinder-Pistole“ erledigt und erlernt sie gerne.

Regelmäßig gibt es im Rahmen des Kurses auch Exkursionen in Fachbetriebe. Der Blick über den Tellerrand hilft dabei fachlich weiterzukommen und ist fester Bestandteil des BZ-Ausbildungskonzeptes.

Handwerk hat was

Trotzdem eilt dem Fleischerhandwerk oft ein negativer Ruf voraus – schlechte Bezahlung, lange Arbeitszeiten und von geringen Aufstiegsmöglichkeiten ist oft die Rede. Diese Annahmen sind längst überholt, die Karrierechancen so gut wie nie. Berufe im Handwerk sind krisensicher und Fachkräfte Mangelware. „Wer gut ist, findet überall einen Job und wird auch entsprechend bezahlt“, unterstreicht Wilfried Reinecke. Es gibt nicht viele, die einem Master einen Meister folgen lassen.

„Ich kann es kaum erwarten den Meisterbrief in den Händen zu halten”, schmunzelt Katharina Koch und ergänzt: „Kein Tag gleicht dem anderen. Man kann seine Ideen umsetzen, sich verwirklichen und lernt immer wieder dazu. Das Fleischerhandwerk ist viel cooler und moderner als viele glauben. Ich liebe diesen abwechslungsreichen Beruf und freue mich jedes Mal, wenn ich den Weg bis zum Endprodukt begleiten und aktiv mitgestalten kann. Im Bildungszentrum werden uns alle notwendigen unternehmerischen Kompetenzen vermittelt, um einen Betrieb erfolgreich leiten zu können. Die deutsche Meisterqualifikation ist einem Bachelorabschluss gleichgestellt und international anerkannt. Handwerksmeister haben Zugang zum Studium an allen deutschen Hochschulen und können sich zudem zum Betriebswirt des Handwerks weiterbilden lassen. Nicht zuletzt trägt die Fortbildung im BZ auch zur Sicherung der Zukunft unseres Betriebes bei. Als Meisterin kann ich ausbilden und so möglichst viele junge Menschen ebenfalls für diesen wunderschönen Beruf begeistern.“

Der nächste Meistervorbereitungskurs in Vollzeit zum/ zur Fleischermeister/-in im Bildungszentrum Kassel startet am 1. Juli 2019.

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