Ist Regional besser als Bio?

Am 21. Januar 2015 reichte die CSU-Fraktion im Münchner Stadtrat den Antrag ein: „Regional ist das neue Bio. Produkte aus regionaler Herstellung bei den Bewerbungen besser berücksichtigen“. Die Forderung:Es sollen beim Zulassungsverfahren für das Oktoberfest, für den Christkindlmarkt und die Dulten (Jahrmärkte) regional erzeugte und hergestellte Produkte den Bio-Produkten bei der Anzahl der zu vergebenden Punkte gleichgestellt werden. Begründet wird dies u. a. damit, dass das Gütesiegel „Qualität und Herkunft aus Bayern“ ähnlich wertig sei wie die Qualitätskriterien, die für Bioprodukte gelten.

 

Bei den Veranstaltern des Tollwood Kulturfestivals löst der Antrag im Stadtrat Besorgnis und Befremden aus. „Es ist äußerst irritierend, dass dieser Antrag den mühsam erkämpften, gleichwohl immer noch geringen Bio-Anteil auf öffentlichen Großveranstaltungen gegen ‚regional’ ausspielt“, betont Rita Rottenwallner, Geschäftsführerin des Tollwood Festivals. „Die regionale Herkunft von Lebensmitteln ist wünschenswert, wenn diese Lebensmittel gleichzeitig mit hohen Ansprüchen an den Schutz von Gesundheit, Umwelt und Tierwohl hergestellt wurden. Gerade in Bayern beobachten wir jedoch mit dem Ausbau der industrialisierten Intensivtierhaltung eine sehr beunruhigende Entwicklung.“

 

Stephanie Weigel, Leiterin der Tollwood-Umweltabteilung ergänzt: „Gerade das Thema Tierhaltung ist sensibel: Die Verbraucher wünschen sich Produkte aus der Region, die gleichzeitig auch aus artgerechter Tierhaltung stammen.“ Das Regionalsiegel „Qualität und Herkunft aus Bayern“ stelle nur minimal höhere Anforderungen an den Tierschutz, als gesetzlich ohnehin verlangt. „Wirklich artgerechte Tierhaltung wie bei Bio wird hier nicht vorgeschrieben. Nicht einmal gentechnisch veränderte Futtermittel sind ausgeschlossen.“

 

Dabei liegt Bayern z. B. in der Masthähnchenproduktion auf Platz drei im gesamtdeutschen Vergleich – mit 3,7 Mio. Hähnchenmastplätzen. Ähnlich in der Schweinemast: Von den knapp 2,5 Mio. beantragten Schweineplätzen in den Jahren 2009 bis 2012 entfielen zirka 300.000 auf Bayern.

 

„München – artgerecht?!“
Eine von Tollwood in Auftrag gegebene und im Oktober 2014 veröffentlichte TNS Emnid-Umfrage zeigt, was die Münchner von ihrer Stadtpolitik erwarten: 85 % der Befragten wären bereit, auf Veranstaltungen der Stadt München für Produkte aus nachweislich artgerechter Haltung mehr Geld auszugeben. 75 % würden es begrüßen, wenn die Stadt München in ihrem Wirkungskreis vorschriebe, Fleischprodukte aus artgerechter Haltung zu beziehen. Für die repräsentative Umfrage waren 1.001 Münchner Bürger in der Zeit vom 12. bis 27. September 2014 befragt worden.

 

Tollwood setzt sich mit bio-zertifizierter Festivalgastronomie, der Gemeinschaftsinitiative „Bio für Kinder“ und der Kampagne „Artgerecht“ seit vielen Jahren für ökologisch erzeugte Lebensmittel, für ein Ende der Missstände in der Massentierhaltung und eine artgerechte Tierhaltung ein.

 

Joujou/pixelio.de

Meist gelesene Artikel

News
Digitale Plattform in Brandenburg
News
EHI-Studie: Handelsgastronomie
News
BBQ Week in der Motorworld
News
Fleischerei Grasmehr: Vertrauen als Fundament
News
Almi Group übernimmt Lay Gewürze

Das könnte Sie auch interessieren:

Fleischerei Grasmehr: Vertrauen als Fundament

Wie die Edwin Grasmehr GmbH aus dem hessischen Westerwald ihren Generationenwechsel meisterte – mit einem Käufer, der sich selbst nicht...

BBQ Week in der Motorworld

Drei Tage voller Leidenschaft in Sachen Grillen und BBQ erlebten die Besucher und Besucherinnen vom 5. bis 7. September 2026...

Almi Group übernimmt Lay Gewürze

Die Almi Group mit Hauptsitz in Oberösterreich gab bekannt, dass die Lay Gewürze GmbH mit Sitz in Thüringen seit dem...

Giulia Gwinn: Ehrenamtlich an der Netto-Kasse

Als Markenbotschafterin von Netto Marken-Discount engagierte sich DFB-Kapitänin Giulia Gwinn ehrenamtlich an einer Kasse in München und stärkte die Aufmerksamkeit...

Müller Gruppe setzt auf Kontinuität

Die Müller Gruppe setzt Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit mit ihren Vertragslandwirten. Die neuen Liefer- und Abnahmeverträge, die zum Jahreswechsel 2026/2027...

EHI-Studie: Handelsgastronomie

Die Handelsgastronomie in Deutschland setzt ihren Wachstumskurs fort und hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Zahlen des EHI Retail Institute...