Digitalisierung im Handwerk ist Schwerpunktthema der Int. Handwerksmesse vom 24. Februar bis 1. März 2016 in München. Im Interview verrät der Digitalisierungs-Experte Christoph Krause, was dort zum Thema Handwerk 4.0 zu sehen ist. Unter dem Motto „Bei uns steht ,digital’ nicht drauf, bei uns steckt es drin!“ finden Besucher in den Hallen ein vielfältiges Angebot aus diesem Bereich. So präsentiert sich auf der neuen Sonderschau „Fokus. Handwerk 4.0“ etwa das künftige Kompetenzzentrum Handwerk Digital. Christoph Krause ist Leiter des Kompetenzzentrums für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation in Koblenz. Als eines von vier Schaufenstern soll es zukünftig das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk erlebbar machen.

Herr Krause, was bedeutet Digitalisierung?
Digitalisierung bedeutet die rasante Zunahme der Nutzung von digitalen Werkzeugen und deren gleichzeitige Vernetzung. Schon heute sind Autos oder Heizungsanlagen mit dem Internet verbunden und bieten für die Kunden mehr Sicherheit und Komfort. Für Unternehmen bedeutet das: Wer heute Produkte und Dienstleistungen für die digitalen Gewohnheiten und Wünsche von morgen weiterentwickelt, wird künftig vorne sein.
Welche Bereiche betrifft die Digitalisierung besonders?
In vielen einzelnen Bereichen sind Unternehmen schon heute digitalisiert, nutzen Computer, Smartphones und Tablets. In Zukunft werden aber alle Unternehmensprozesse der Digitalisierung unterzogen, von Planung über Produktion bis zur Kommunikation mit dem Kunden. Nicht jedes Unternehmen wird gleich mit Hilfe von 3D-Druckern produzieren, allerdings werden alle Unternehmen ihre Geschäftsprozesse digitalisieren müssen – und über digitale Plattformen Kunden ansprechen und mit ihnen kommunizieren.
Wie sieht das in der Praxis aus? Handwerksleistungen im Online-Shop?
Denken Sie an Internet und Suchmaschinen. Wer dort nicht erscheint, wird von potenziellen Kunden nicht gefunden und bekommt keine Aufträge. Zudem erwarten Kunden schon bei der ersten Internetrecherche ein konkretes Angebot, Hintergrundinformationen zum Produkt oder zur Dienstleistung – und sie sind vielfach gewohnt, gleich im Internet zu bestellen. Die Vorreiter der Digitalisierung im Handwerk zeigen, wie es geht. Generell gilt: Die aktuellen Lösungen sind so vielfältig und innovativ wie das Handwerk selbst.
Ist es für Handwerksbetriebe heute Pflicht, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen?
Wer erfolgreich sein will, sollte das auf jeden Fall. Kann mein jetziges Geschäftsmodell noch bestehen, lässt es sich durch digitale Kanäle zum Kunden erweitern, kann ich den Kunden mit der Fertigung im Unternehmen verbinden oder muss ich sogar über ein völlig neues digitales Geschäftsmodell nachdenken? Das sind Fragen, die sich jeder Unternehmer stellen sollte. Auch wie ein Betrieb digital zu führen ist und wie Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung qualifiziert werden müssen, sind wichtige Faktoren.
Wie wird ein Unternehmen digital geführt?
Es gibt unterschiedliche Module, wie sich Abläufe digitalisieren lassen. Möglich sind z. B. die Zeiterfassung per Smartphone, Checklisten und Aufgaben, die den Mitarbeitern auf ihr Smartphone geschickt werden, oder das zentrale Speichern von wichtigen Dokumenten, die dann überall, beim Kunden vor Ort, auf der Baustelle etc. abrufbar sind.
Dazu wird auf der Messe das neue Kompetenzzentrum Handwerk Digital vorgestellt, das Betriebe bei der Umsetzung der Digitalisierung unterstützen soll.
Das Kompetenzzentrum mit seinen bundesweiten Standorten in Deutschland wird in Zukunft Unternehmen aus Mittelstand und Handwerk bei allen Fragen der Digitalisierung begleiten. Sie können sich dort informieren, Ideen entwickeln und umsetzen. Praxiswerkzeuge wie ein „Mobiles Prozessbüro“ bieten einen Einstieg in das Thema „Digitalisierung von Geschäftsprozessen“ und 3D-Drucker zeigen die Zukunft der individuellen Produktion. Diese Leistungen werden wir auf der IHM vorstellen. Daneben informieren Experten über die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und den Einsatz digitaler Kommunikationswerkzeuge.
Weitere Infos zur IHM 2016 und der Sonderschau „Fokus. Handwerk 4.0“: www.ihm.de/fachbesucher
Fotos: MEV, Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation