Lebensmittelkontrollen unglaubwürdig?

Nur jeder zweite Deutsche geht laut einer Verbraucherumfrage der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) unter ca. 1.000 Befragten davon aus, dass auf dem Markt oder im Supermarkt gekaufte Produkte weitestgehend sicher sind (54 %). Den Kontrollen der Lebensmittelindustrie wird mit Misstrauen begegnet: Dabei sorgen vor allem künstliche Zusätze wie Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder chemische Zusatzstoffe für Verunsicherung. Nahezu die Hälfte der Befragten hält Lebensmittel aufgrund dieser Inhaltsstoffe für unsicher (48 %). Verbraucher, die sich über Zusatzstoffe informieren möchten, stehen oft vor Verständnisproblemen. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, selbst nach genauem Lesen der Produktbeschreibung nicht sagen zu können, welche Inhaltsstoffe das Nahrungsmittel enthält (44 %).

 

Skandale werden wahrgenommen – Kontrollen nicht

Lebensmittelskandale wie Dioxin in Eiern oder Pferdefleisch in der Lasagne werden von den Verbrauchern wahrgenommen und tragen zur Verunsicherung bei. Die Mehrheit der Befragten hat den Eindruck, dass solche Skandale zugenommen haben (54 %). Dem Thema Lebensmittelkontrollen wird deutlich weniger Aufmerksamkeit zuteil. Jeder vierte Befragte sagt aus, er sei nicht sicher, ob Lebensmittel in Deutschland überhaupt kontrolliert würden (24 %). Auch bei der Frage, wie solche Kontrollen aussehen, herrscht in weiten Teilen Ahnungslosigkeit. Nur 28 % der Befragten haben eine Vorstellung davon, welche Kontrollprozesse und -instanzen Nahrungsmittel durchlaufen, bevor sie in den Handel gelangen. Populär sind daher Forderungen nach strengeren Kontrollen: Fast 3/4 der Befragten sprechen sich dafür aus (73 %). Der Wunsch nach strengeren Kontrollen ist bei den 50- bis 69-jährigen stärker ausgeprägt als bei Befragten zwischen 18 und 34 Jahren (81 vs. 67 %). Basierend auf den Ergebnissen der Verbraucherumfrage sieht die DGQ Handlungsfelder für Unternehmen und Politik:

– Aufklärung darüber, wie Lebensmittel hergestellt, verarbeitet und kontrolliert werden, bevor sie in den Handel gelangen

– Vermittlung von Informationen zu den Hintergründen von Lebensmittelrückrufen. Sensibilisierung der Verbraucher, dass Rückrufaktionen in der Regel Vorsichtsmaßnahmen und nur in ganz seltenen Fällen gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe die Ursache sind (s. Pferdefleisch-Skandal)

– Transparenz bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln, damit alle Verbraucher Produktbeschreibungen nachvollziehen können

Für die repräsentative Umfrage hat die DGQ mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG rund 1.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Die Stichprobe entspricht nach Alter, Geschlecht und Region der repräsentativen Verteilung der deutschen Bevölkerung. Die unabhängige Online-Erhebung fand im Juli/ August 2014 statt. www.dgq.de

 

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