Podiumsdiskussion statt Politikerrede

Erstmals seit Jahren war im Rahmen der traditionellen Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Fleischerverbandstages keine Sonntagsrede eines Politikers zu hören, sondern es kamen vier Betriebsinhaber sowie ein bekannter Fleisch-Experte aus dem Ruhrgebiet bei einer Podiumsdiskussion zu Wort. Nach Travemünde 2024 hatten sich dazu zum 135. Fleischerverbandstag des Deutschen Fleischer-Verband (DFV) im Scandic Hotel Central in Nürnberg über 200 Gäste eingefunden. Die Stuhlreihen waren mehr als gut besetzt. Die Podiumsdiskussion war nach dem Grußwort der gastgebenden Fleischer-Innung Mittelfranken-Mitte von Bayerns Landesinnungsmeister und Obermeister Konrad Ammon, und der politischen Rede von DFV-Präsident Herbert Dohrmann der zentrale und abwechslungsreiche Höhepunkt dieser Veranstaltung.

Wer war dabei?

Dazu hatte der DFV-Präsident als Moderator fünf Themen vorbereitet: Rohstoffbeschaffung, Einkaufspreise, Preisgestaltung, Mitarbeiterfindung und „Fleischerhandwerk in 10 bis 20 Jahren“. Auf dem Podium Platz genommen hatten Benjamin Koithahn (Koithahns Harzer Landwurst Spezialitäten, Hattorf a. Harz), Konrad Ammon (Metzgerei Ammon, Fürth), Matthias Senn (Landmetzgerei Senn, Eimeldungen), Alina Henrici (Metzgerei & Partyservice Henrici, Neu-Anspach) und der Fleischsommelier und Buchautor Christoph Grabowski (Niggemann Food Fleischmarkt, Bochum). Alle Fünf kamen ausreichend zu Wort, diskutierten und gaben ihre Erfahrungen diesbezüglich gerne weiter.

Mitarbeiter & regionale Wertschöpfung

Etwa Benjamin Koithahn, der zwar die Planungssicherheit in Sachen Rohstoffe und die Wege für Schlachtvieh kritisierte, aber bezüglich Mitarbeiterführung folgenden Rat hatte: „Lieber die Leute führen und anleiten, die wollen aber nicht können, statt umgekehrt“. Dies sei zwar ein steiniger Weg, aber zielführend. Zudem sei es seiner Ansicht nach stets nötig, Dinge, Abläufe und das eigene Handeln regelmäßig in Frage zu stellen und neue Wege zu beschreiten. Alina Henrici berichtete über ihre erfolgreiche Kooperation mit einem Landwirt, der für Strohschweine extra einen neuen Stall baute und für den es feste Abnahmeverträge gibt. Zudem wird die Metzgerei mittelfristig einen Neubau (Schlachtung, Zerlegung und Produktion) errichten. Sie beliefert zudem den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), hat zwei Meister in den eigenen Reihen, die selbst ausgebildet wurden und öffnet ihren Betrieb für Schüler- und Kindergartengruppen, um regionale Wertschöpfung zu zeigen und Interesse zu wecken.

Foto: Marco Theimer

Handwerk ist Mehrwert

Über seine Kooperation mit einer Online-Plattform und seinen Lieferdienst als „kleine Metzgerei“ berichtete Matthias Senn. „Wer plant, auch manchmal mit etwas Risiko, kommt auch an Ware“, sagte Christoph Grabowski. Provokant aber sachlich stellte er die Nahversorger-Funktion des Fleischerhandwerk infrage: „Metzgerhandwerk ist Kulturgut“. Jeder Metzger ist eine Persönlichkeit und müsse seine Besonderheiten und die seiner Produkte hervorheben: „Handwerk ist Mehrwert“. Es gelte sich nicht dem Wettbewerb mit dem LEH zu stellen, sondern das eigene Kulturgut zu leben. Dies unterstütze auch Konrad Ammon: „Veränderung ist Normalität, haben Sie keine Angst vor der Zukunft“. Dem schloss sich auch der DFV-Präsident zum Schluss der Diskussion an: „Fleischerhandwerk heißt sich auch immer wieder neu zu erfinden, was unser Verband und seine Mitglieder in den vergangenen 150 Jahren immer wieder bewiesen haben.

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