Polen verdrängt Deutschland vom „Platz an der Sonne“
Der belgische Außenhandel mit Schweinefleisch entwickelte sich 2025 dynamisch. Laut Daten der Belgischen Nationalbank (NBB), ausgewertet durch das Belgian Meat Office, beliefen sich die globalen Ausfuhren auf 704.370 Tonnen, was einem Anstieg von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das ausgewiesene Produktgewicht umfasst neben Schweinehälften und Teilstücken auch genusstaugliche Schlachtnebenerzeugnisse sowie Fette, verarbeitete Schweinefleischerzeugnisse sind jedoch nicht enthalten.
Der Handelswert erreichte 1,47 Milliarden Euro und lag damit um 5,77 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Angesichts der um 8,2 Prozent rückläufigen europäischen Erzeugerpreise sowie schwächerer globaler Notierungen ist dieses Ergebnis dennoch als solide zu bewerten“, analysiert Joris Coenen, Manager beim Belgian Meat Office in Brüssel.
Europa bleibt Hauptabsatzmarkt
Trotz zunehmender Dynamik in Drittlandsmärkten entfällt der größte Teil des belgischen Schweinefleischabsatzes weiterhin auf den europäischen Binnenmarkt. Der differenzierte Produktmix von Teilstücken über Schlachtkörper bis hin zu Nebenprodukten und Fetten, jeweils ausgerichtet auf spezifische Absatzkanäle, unterstreicht das maßgeschneiderte Portfolio der belgischen Anbieter.
In absoluten Zahlen erreichte der innergemeinschaftliche Handel inklusive des Vereinigten Königreichs im Jahr 2025 rund 633.077 Tonnen, was einem Zuwachs von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insgesamt wurden im europäischen Handel Erlöse in Höhe von 1,35 Milliarden Euro erzielt.
Polen erwies sich 2025 als klarer Wachstumsmotor innerhalb der europäischen Märkte. Im Vergleich zu 2024 stiegen die Liefermengen um 20,4 Prozent auf 157.232 Tonnen. Damit rückte das osteuropäische EU-Mitgliedsland auf Platz 1 im Ranking der wichtigsten belgischen Absatzmärkte vor. Wachstumstreiber war vor allem die starke Nachfrage nach Schlachthälften, deren Exportvolumen um knapp 25 Prozent auf 143.860 Tonnen kletterte. Auch wertmäßig legte Polen zu, von 307,7 Millionen Euro auf 328,1 Millionen Euro. Inzwischen stammen rund 22 Prozent der polnischen Schweinefleischimporte aus Belgien.
Deutschland beim Warenwert noch immer vorne
Mit Lieferungen von 145.003 Tonnen (- 7,5 Prozent) war Deutschland 2025 der zweitwichtigste Absatzmarkt. Der Rückgang ist vor dem Hintergrund insgesamt sinkender deutscher Schweinefleischimporte zu sehen. Der belgische Marktanteil in der Bundesrepublik liegt bei 26 Prozent. Gemessen am Warenwert liegt Deutschland mit 332,3 Millionen Euro weiterhin an der Spitze.
Es folgen die Niederlande mit 85.000 Tonnen, was einem Minus von 3,2 Prozent entspricht. Der Marktanteil Belgiens liegt dort bei rund 14 Prozent. Der Erlös belief sich auf 129,8 Millionen Euro.
Nach Italien legten die Lieferungen um 6,6 Prozent auf 46.885 Tonnen zu. Wertmäßig wurden 103,4 Millionen Euro erzielt. Eine zentrale Rolle im belgischen Exportpaket nach Italien spielten Schinken mit einem Volumen von 18.811 Tonnen.
Starke Entwicklung im Vereinigten Königreich
Auch vom Vereinigten Königreich gingen 2025 deutliche Wachstumsimpulse aus. Obwohl das Königreich seit dem Brexit statistisch als Drittland geführt wird, bleibt es dem europäischen Markt eng verbunden. Die belgischen Schweinefleischexporte legten dort um 20 Prozent von 46.170 Tonnen im Jahr 2024 auf 55.384 Tonnen im Jahr 2025 zu. Wertmäßig erhöhten sich die Ausfuhren von 129,4 Millionen auf 145,4 Millionen Euro.
Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als der britische Importmarkt insgesamt schrumpfte. Laut britischer Importstatistik sanken die gesamten Schweinefleischeinfuhren von 367.442 Tonnen im Jahr 2024 auf 346.730 Tonnen im Jahr 2025. Belgien entwickelte sich damit klar gegen den Markttrend.
Drittländer gewinnen an Dynamik
Die belgischen Schweinefleischexporte in Drittländer (ohne das Vereinigte Königreich) beliefen sich 2025 auf rund 71.293 Tonnen. Zwar liegt das Volumen noch unter dem Niveau vor den ASP‑bedingten Markteinbrüchen, der Aufwärtstrend ist jedoch klar erkennbar.
Der wichtigste Drittlandsmarkt war China/Hongkong mit 14.734 Tonnen. Gegenüber 2024 ging das Exportvolumen zwar um 8 Prozent zurück, dennoch bleibt die Volksrepublik aufgrund ihrer Bedeutung für bestimmte Produktströme relevant. An zweiter Stelle folgt die Elfenbeinküste mit 11.524 Tonnen, was einem Plus von rund 15 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Damit zählt das Land zu den wichtigsten Drittlandsmärkten außerhalb Asiens.
Die Philippinen belegten Rang drei mit 10.652 Tonnen und einem Zuwachs von 6,3 Prozent. Südkorea erreichte 6.935 Tonnen und verzeichnete einen leichten Rückgang von 4,8 Prozent, blieb jedoch ein Schlüsselmarkt für Schweinebauch. Vietnam zeigte mit einem Plus von 56,4 Prozent auf 6.018 Tonnen die dynamischste Entwicklung unter den wichtigsten Absatzmärkten. Außerhalb der Top 5 fiel insbesondere Malaysia mit einem starken Wachstum auf: Dort stiegen die Exporte im zurückliegenden Jahr um 77,5 Prozent auf 4.132 Tonnen.
Insgesamt entfielen 32.954 Tonnen auf eine Vielzahl weiterer Absatzmärkte. „Diese breite Streuung zeigt, dass sich die belgischen Schweinefleischexporte in Drittländer nicht nur auf einzelne große Destinationen stützen, sondern zunehmend diversifiziert und damit robuster aufgestellt sind“, schließt Coenen.