Europäische Qualitätsicherungs-Systeme vor dem Durchbruch?


Motor der gesamten Qualitätsbemühungen sind zum einen die Verbraucherverunsicherung auf Grund der bekannten Vorkommnisse in der Fleischwirtschaft, zum anderen die zunehmende Globalisierung in der Ernährungsindustrie und im Lebensmittelhandel sowie die daraus resultierende Konsequenz von grenzübergreifenden Qualitätsregeln. Im Fokus steht dabei vor allem die Auditierung der an der Fleischherstellung und -distribution beteiligten Unternehmen.
Auf europäischer Ebene stellt sich seit geraumer Zeit verschärft das Problem, wie die unterschiedlichen Fleisch-Standards zu harmonisieren sind. Federführend ist die QS-System GmbH,
deren Geschäftsführer Hermann-Josef Nienhoff immer wieder beteuert, dass das System offen für alle europäischen Lieferländer ist – wenn die Standards eingehalten werden.

Strenge Auflagen bei Futtermitteln
Zwei Maßnahmen kennzeichnen das stufenübergreifende Qualitätssystem der Deutschen für Fleisch auf besondere Weise. Zum einen die strengeren Auflagen bei Futtermitteln wie das Verbot der Verfütterung tierischer Fette. Zum anderen verlangt das QS-System auch vom Lebensmittelhandel Auditierungen nach festgelegten Kriterien. Und das sind die beiden Knackpunkte, die zurzeit als Bremse für eine einheiltliche europäische Gesamtlösung auftreten.
Alle wichtigen europäischen Lieferländer im Schweinefleisch-Bereich wie Dänemark, Belgien, Niederlande und mit Einschränkung Spanien haben hohe Investitionen in ihre eigenen Qualitätssicherungs-Systeme getätigt und diese marketing- und vertriebsmäßig erfolgreich deutschen Absatzpartnern angeboten. Jetzt verlangt QS von ihnen, schärfere Auflagen zu berücksichtigen, die aber nach deren System nicht in das Kostengefüge passen. Die schärferen Auflagen mögen aus Verbraucher-Sicht sinnvoll sein – auch deswegen, weil in Deutschland eine rot-grüne Regierung politischen Druck macht –, aus wirtschaftlicher Sicht ist es Unfug, bewährte Standards neu festzulegen. Es ist also eine Barriere zu überwinden, die zurzeit eine gesamteuropäische Lösung bremst. Hinzu kommt, dass ein Votum für ein Verbot tierischer Fette bei der Fütterung eine deutscher Initiative mit exklusivem Beigeschmack ist. Ministerin Künast steht innerhalb Europas mit diesem spezifischen politischen Druck ziemlich allein. Ihre Amtskollegen in Europa sind klassische Landwirtschaftsminister, die mehr die Agrarwirtschaft vertreten als die Verbraucherschaft.
Aber auch der Lebensmittelhandel tut sich zurzeit sehr schwer, QS eine breitere Basis zu geben. Zum einen zwingt die schwache Konjunktur und Kaufkraft den Handel, besonders preisaggressiv auf Kundenfang zu gehen. QS-Fleisch müsste eigentlich – wenn das Konzept glaubwürdig dem Verbraucher vermittelt werden soll – ein wenig teurer angeboten werden als das nicht zertifizierte Fleisch. Doch das lässt die Markt-Situation als Konsequenz des Verdrängungswettbewerbs momentan nicht zu.
Ein weiteres Problem ist das differenzierte Angebot. Nicht wenige Verbraucher – vorausgesetzt sie kennen QS-Fleisch – fragen sich, ob das nicht zertifizierte Fleisch möglicherweise nicht „sicher“ ist. Auch hier muss ein Argumentations-Leitfaden für das Verkaufspersonal im Lebensmittelhandel entwickelt werden, um die vielen Fragen der verunsicherten Verbraucher zu beantworten.

Lebensmittelhandel will zunächst abwarten
Ein weiteres Hindernis für eine breitere Distribution ist der angekündigte Einstieg von Aldi in das Frisch-Fleischgeschäft. Wird es QS-Fleisch oder wird es ein anderes Qualitätsfleisch-Programm sein? Der traditionelle Lebensmittelhandel wird – zu Recht – abwarten wollen. Was nicht heißt, dass einzelne Unternehmen nicht bereits jetzt konsequent auf QS setzen. Bestes Beispiel ist Rolf Heidenberger von der Edeka Nord.

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